Chancengleichheit: Umdenken in den Führungsstrukturen

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Das Ziel einer Umfrage von u.a. dem Verein zur Förderung der Weiterbildung in der Hämatologie und Onkologie e. V. soll sein" exzellent ausgebildete Ärztinnen sowohl für die Hämato¬logie und Onkologie zu gewinnen als auch Rahmenbedingungen zu schaffen, die Karrieremöglichkeiten in unserem Fachgebiet eröffnen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir mit der Chancengleichheit noch nicht da angekommen sind, wo wir hinwollen. In diesem Zusammenhang war es Ziel der durchgeführten Umfrage, ein realistisches Bild der Chancengleichheit zu erhalten," erklärt Prof. Dr. med. Hermann Einsele, Geschäfts¬führender Vorsitzender der DGHO und Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Würzburg.

Die große Frage war es, herauszufinden: Wie ist es mit Blick auf die Chancengleichheit von Ärztinnen und Ärzten im Bereich der Hämatologie und Onkologie bestellt? Neben der DGHO haben sich ebenso die österrei-chischen und die schweizerischen Fachgesellschaften an der Umfrage beteiligt.

Laut Maike Busson-Spielberger M. A., Leiterin des Studienteams und Sprecherin der bukof Kommission Klinika, hat die Untersuchung gezeigt, "dass Arbeitsorganisation, Arbeitszeitmanagement und Führungskultur die Karriereoptionen von Ärztinnen und teilweise auch von Ärzten in der Hämatologie und Onkologie nicht in einem wünschenswerten und ausreichenden Umfang unterstützen. Dabei stehen Betreuungsmöglichkeiten für Kinder aller Altersstufen sowie für zu pflegende Angehörige weiterhin auf der ‚Wunschliste' der Befragten. Darüber hinaus fehlt es vielerorts noch an flexiblen Teilzeitarbeitsmodellen. Vielfach gewünschte Teilzeitoptionen sowohl für die Facharztweiterbildung als auch für Führungspositionen sind noch nicht in einem ausreichenden Maße implementiert. Jobsharing und Topsharing bleiben mithin Desiderata. Auch Diskriminierung auf¬grund des Geschlechts ist noch immer Teil des beruflichen Alltags von Ärztinnen. Für eine nachhaltige Veränderung der Situation braucht es aus unserer Sicht sowohl ein Umdenken in den Führungsstrukturen als auch ein Bündel an prakti¬schen Maßnahmen."

Wirkliche Chancengleichheit braucht also Maßnahmen. Prof. Dr. med. Katja Weisel, 2. Vor¬sitzende des DGHO-Arbeitskreises ‚Frauen in der Hämatologie und Onkologie' und stellvertretende Direktorin des Universitären Cancer Center Hamburg (UCCH), gehören dazu, "die Bereitstellung eines aktuellen und transparenten Gendercontrollings, die Steigerung des Frauenanteils in den wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften und ihren Gremien, Fortbildungsangebote für Ärztinnen zu Netzwerken, Gremien und kollegialer Beratung, Frauen-Mentoring-Programme, verbindliche Rückkehrverein¬barungen für Ärztinnen und Ärzte, die Elternzeit antreten, diskriminierungsfreie Neuformulierung der Weiterbildungsordnung mit Teilzeitoptionen, Etablierung von Teilzeitoptionen für leitende ärztliche und wissenschaftliche Tätigkeiten, Fort¬bildungsangebote für Führungskräfte zu zeitgemäßem Arbeitszeit- und Arbeits¬organisationsmanagement, Fortbildungsangebote zur Sensibilisierung gegenüber Alltagssexismus und die Beachtung des Gebots zur öffentlichen Ausschreibung freier Stellen, insbesondere freier oder freiwerdender oberärztlicher Stellen."


Hintergrund:
Seit Ende der 90er Jahre machen Frauen mehr als die Hälfte der Medizin¬studierenden in Deutschland aus – inzwischen sind es etwa 64%.
Die vom Verein zur Förderung der Weiterbildung in der Hämatologie und Onkologie e. V. (WBHO) geförderte und unter den Mitgliedern der DGHO, der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO), der Schwei¬zerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO) und der Schweizeri¬schen Gesellschaft für Hämatologie (SGH) durchgeführte Umfrage hatte zum Ziel: die Erhebung des Status quo und unter anderem die Identifizie¬rung von karrierehinderlichen Faktoren.

Der 19. Band der Gesundheitspolitischen Schriftenreihe der DGHO „Ergeb¬nisse der Umfrage zur Erfassung der Parität von Ärztinnen in Führungsposi¬tionen und Gremien in Deutschland, Österreich und der Schweiz" kann heruntergeladen werden unter:
https://www.dgho.de/publikationen/schriftenreihen/frauenfoerderung


Foto: Screenshot Website DGHO; PM 08-30-2022-Chancengleichheit

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