Soziale Netzwerke: Instrument im Personalmarketing

Soziale Netzwerke nehmen im Personalmarketing eine immer wichtigere
Rolle ein. 39% aller Unternehmen im deutschsprachigen Raum nutzen
bereits Onlinedienste wie Facebook und Twitter, um sich Kunden und
Bewerbern zu empfehlen.


65% der aktiven Unternehmen haben auf diesem Weg Fachkräfte ansprechen
und einstellen können. Der Durchschnitt pro Unternehmen lag bei zwei
Neueinstellungen, belegen die Zahlen des Social Media Reports HR 2010.
Der Autor des Reports, Thorsten zur Jacobsmühlen, bewertet die
Möglichkeiten der Mitarbeitergewinnung im Web 2.0 allerdings
vorsichtig. „Die Recruiting-Lösung schlechthin“ sei dies zwar nicht,
jedoch böten soziale Netzwerke ganz neue und attraktive Möglichkeiten
des Personalmarketings. Unternehmen könnten die Chance nutzen, „sich
als Arbeitgeber interessant zu machen“, indem sie mit wertvollen und
unterhaltsamen Beiträgen und Artikeln bei ihrer Zielgruppe ein
attraktives Image gestalten. Das bloße Einstellen von Stellenanzeigen funktioniere im interaktiven
Web nicht, da die Nutzer dort primär Kommunikation, Information und
Spaß erwarteten. Da man aktiv suchende Bewerber aber ohnehin besser
über Online-Jobbörsen anspreche, liege der Fokus des Personalmarketings
in sozialen Netzwerken viel mehr darauf, „unterschwellig zu
rekrutieren“. Entscheidend für den Erfolg dieser Aktivitäten seien ein
stimmiges Marketingkonzept und die durchgängige Betreuung der
Onlinedienste. Bisher nutzen Personalabteilungen Social Media vor allem als
Recruitingwerkzeug (74%), zur Steigerung des Employer-Brandings (71%)
und um die eigenen Mitarbeiter als Botschafter einzusetzen (57%). Von
68% werden Xing und von 26% Facebook am häufigsten eingesetzt.
„Rekrutieren ist Kommunizieren“, konstatiert denn auch Thomas Teetz,
Personalmarketing-Chef bei der Deutschen Telekom. Übergeordnetes Ziel
sei für den Konzern ein erfolgreiches „Employer Branding“, also die
bewusste Gestaltung einer attraktiven Arbeitgebermarke – nach innen wie
nach außen: Mit interaktiven Auftritten in sozialen Netzwerken versuche
die Telekom also gleichzeitig die Mitarbeiterbindung zu stärken und
potentielle Bewerber anzusprechen. Dabei werde das eigene Personal
bewusst als „Botschafter des Unternehmens“ in die Außendarstellung
miteinbezogen. Wichtig seien dabei grundsätzliche Vereinbarungen mit
den aktiven Mitarbeitern, damit unsachliche Äußerungen vermieden werden. Die Interaktivität der sozialen Netzwerke stelle das Unternehmen
insbesondere dann vor Herausforderungen, wenn Kritik geäußert werde,
erklärte Teetz. Hier sei „Offenheit“ gefragt: Wer die direkte
Kommunikation mit den Menschen suche, stelle sich eben auch der
Realität – und erhalte so die Chance, aktiv das Bild seines
Unternehmens in der Öffentlichkeit zu optimieren, indem auf Anregungen
eingegangen und Probleme in der Öffentlichkeit gelöst werden. Wenn Personalabteilungen Social Media ablehnen, dann vor allem, weil
sie keinen Sinn oder Mehrwert für sich entdecken können (34%), sie
derartige Dienste nicht nutzen (14%) oder weil Zeit (12%) oder Wissen
(7%) zur richtigen Nutzung fehlen. Noch scheinen viele Unternehmen auf den Umgang mit Social Media auch
nicht vorbereitet zu sein. 64% besitzen beispielsweise keine Richtlinie
für die Nutzung. Nur 18% besitzen sie. In 45% der Unternehmen ist die
Nutzung völlig frei, bei 6% völlig verboten. Auch der eigene Ruf wird
in Social Media noch selten kontrolliert. Das machen gerade einmal 18%
regelmäßig, bei 32% findet gar keine Kontrolle statt. 59% geben aber
zu, einen Bewerber schon mal auf diesem Wege überprüft zu haben. Aktivitäten in sozialen Netzwerken lohnen sich für Unternehmen sowohl
bei der Ansprache hochqualifizierter Bewerber als auch für
Marketingzwecke mehr und mehr – wenn sie professionell und
kontinuierlich betrieben werden, sagen Personalmanager. So geben denn
auch 53% an, 2010 mehr in Social Media investieren zu wollen. Höhere
Investitionen werden auch für die eigene Karrierewebsite (45%),
Hochschulmarketing (33%), Mitarbeiterempfehlungen (34%) und
Onlinestellenbörsen (28%) geplant. Verlierer sind Print-Stellenbörsen,
Personalberater und Zeitarbeit.
Zukunft Mittelstand, Köln; Social Media Report HR 2010 PM-Report 5/10

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