So gut hilft Telemonitoring Betroffenen der Herzinsuffizienz

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Innerhalb eines Projekts nutzten Patient:innen mit Herzinsuffizienz ein e-Health-Portal. Eine Umfrage hierzu zeigt: Sie finden es sehr hilfreich – ebenso sah es das betreuende medizinische Personal. Die Erfolge dieses Telemonitoring sind wegweisend für andere Krankheiten.

Jeder 20. Deutsche leidet unter einer Herzschwäche. Sie lässt sich nicht heilen, aber Medikamente können sie behandeln und ihr Fortschreiten bremsen. Für viele Betroffene bringt das, gerade zu Beginn der Diagnose, viele Unsicherheiten mit sich, für Behandelnde hohen Betreuungsaufwand. Zudem ist die chronische Erkrankung mit sehr hohen Kosten verbunden und führt häufig zu einem Krankenhausaufenthalt.
Innerhalb des Förderprojekts sekTOR-HF kam hier eine Telemedizinplattform zum Einsatz. Die Betroffenen können hier ihre Vitalwerte, wie EKG, Blutdruck, Körpergewicht oder Angaben zum aktuellen Gesundheitszustand via App oder Internetportal an die Behandelnden weitergeben. Diese können bei Bedarf passgenaue Maßnahmen ableiten. Um die Patientenversorgung zu verbessern, soll eine sektorenübergreifende Versorgung mithilfe der Telemedizin enger regional verzahnt und die Behandlungsprozesse gemeinsam von den betreuenden Arztpraxen und Krankenhäusern geplant werden. Denn Herzinsuffizienz ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland – mit mehr als 47.000 Verstorbenen pro Jahr.
Ziel des Projekts ist es, „die Sterblichkeit und Krankenhauseinweisungen durch eine optimale Versorgung und durch eine koordinierte Zusammenarbeit aller Leistungserbringer zu reduzieren und die Lebensqualität von Herzinsuffizienz-Patienten gleichzeitig zu steigern".
Alle haben Zugriff auf die relevanten Daten
Im Projekt testeten nun 220 Herzinsuffizienz-Betroffene und ihre Behandelnden (Ärzt:innen und Herzinsuffizienzschwestern und -pfleger) eine Telemonitoring-Plattform. Ihr Fazit: Den entscheidenden Vorteil sehen alle Befragten darin, dass sämtliche Beteiligte wie Ärzt:innen, Klinik aber auch Familie und Angehörige, Zugriff auf die Plattform haben, intensiver miteinander kommunizieren und dabei eine gemeinsame Sprache sprechen. Sie haben zur selben Zeit Einsicht auf die Patientenakte und nehmen dadurch gemeinsam Einfluss auf die Gesundheit des Erkrankten.
Ärzt:innen und medizinisches Personal nennen als Gründe für ihre eindeutig positive Bilanz: „Wir bemerken, dass sich die Menschen sicherer fühlen, sie entwickeln mehr Motivation etwas gegen ihre Erkrankung zu tun", führt eine der befragten medizinischen Expertinnen aus. Für besonders hilfreich erachten sie, aktuelle Werte von den Patienten zu haben und direkt darauf reagieren zu können, wenn etwa der Blutdruck ist utopisch hoch oder sehr niedrig ist. Über die Plattform habe man den täglichen Stand der Betroffenen.
Die befragten Patient:innen bestätigen positive Effekte. Sie geben an, dass sie durch die Nutzung der Plattform mehr Motivation und Interesse am Umgang mit ihrer Erkrankung zeigen. Beispielsweise hätte die Plattform ihr einiges gezeigt, das sie vorher nicht kannte – wie dass die Reduktion ihrer blutdrucksenkenden Mittel auf bestimmte Zusammenhänge zurückzuführen sei, beschreibt eine Teilnehmerin. Einige Patient:innen heben hervor, dass die kontinuierliche Erfassung der Daten ihr Vertrauen in den eigenen Körper ausbaut, für Sicherheit sorgt und damit das Wohlbefinden steigert.
Potential für andere Krankheiten
Insgesamt sei das Telemonitoring über die Plattform für die Patient:innen ein „doppelter Boden mit Fallnetz", bilanzieren die Behandelnden. Denn man könne ihnen nach der Entlassung aus dem stationären Aufenthalt mehr Sicherheit im Alltag bieten. Die Bedienung des Portals empfinden Ärzt:innen wie Pfleger:innen als einfach und selbsterklärend. Sie betonen, dass sie dank der Übersicht alle Daten der Patient:innen über mehrere Monate im Blick haben. Das habe auch Potential für die Anwendung auf andere Krankheitsbilder.

Projekthintergrund
Das Projekt sekTOR-HF soll eine individualisierte, bedarfsorientierte regionale Versorgung und Steuerung von Patienten mit Linksherzinsuffizienz aufbauen und untersuchen. Das Projekt sekTOR-HF wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefördert. Eine faire Finanzierung soll dafür sorgen, dass alle Beteiligten ihre Expertise und Leistungen einbringen können. Hierfür wurde in den Regionen Rhön-Grabfeld und Marburg-Biedenkopf ein telemedizinisches Versorgungsmodell für Patienten mit Herzinsuffizienz etabliert und erprobt.


RHÖN-KLINIKUM AG / Sylvia Willax, PM 09-19-2022-2-Herzinsuffizienz

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