Fake-Bewertungen: Gericht sagt Nein

Foto: Website Fivestar;

Ob eine Bewertung im Internet gut oder schlecht ist, kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Das betrifft Verkäufer von Produkten - also auch medizinische Produkte - und Anbieter von Leistungen - also auch Ärzte, Krankenhäuser oder andere medizinische Einrichtungen. Wer solche Rezensionen allerdings kauft, handelt rechtswidrig, hat jetzt das Landgericht München entschieden.

Im vorliegenden Fall ging es um die Firma Fivestar, genau genommen um die Fivestar Marketing UG, wie sie früher hieß, oder die Fivestar AG bR, wie sie sich jetzt nennt. Beim Prozeß erschien sie im übrigen nicht, denn es gibt keinen Geschäftsführer mehr und ein neuer ist noch nicht im Handelsregister eingetragen, berichteten Spiegel und Süddeutsche.

Fivestar bot Bewertungen zum Kauf an. Ganz offiziell auf der Website: „Erhalten Sie echte Bewertungen, die der hohen Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen gerecht werden.....Top-Bewertung, perfekt zugeschnitten auf Ihr Unternehmen.." Die Kosten dafür rangieren von 9,72 Euro pro Bewertung für Google- und Facebook-Bewertungen bis hin zu 19,40 Euro für eine Amazon-Bewertung. Die Bewertung werden im übrigen nicht von Computern erstellt, sondern von leibhaftigen Menschen, die Website lobt 167.297 Fivestar Rezensenten aus.


Gegen diese Praxis hatte das Reiseportal Holidaycheck geklagt. Und Recht bekommen. Jetzt muss Fivestar keine Bewertungen mehr kaufen, wenn die Personen nicht in dem Hotel oder Ferienappartement übernachtet haben, es müssen alle Fake-Bewertungen gelöscht werden und es muss Auskunft geben, wer die Rezensionen geschrieben hat. Allerdings: Generell verboten ist der Kauf von Bewertungen nicht, dahinter muss nur tatsächliche Erfahrung stecken.


Der Branchenverband Bitkom geht davon aus, dass 63% der Nutzer vor einem Kauf Bewertungen von anderen Nutzern lesen, bei über 50% sind sie sogar die entscheidende Information. Deshalb lobt Bitkom auch das Urteil, das „überfällig" war: „... Wer gute Bewertungen kauft statt sie zu verdienen, verspielt dieses Vertrauen und erweist damit nicht nur sich selbst, sondern vor allem den Verbrauchern einen Bärendienst. ..."


Wie problematisch Plattformen mittlerweile die Fake-Bewertungen einschätzen, zeigt die Ärzte-Bewertung Jameda. Eigenen Angaben zur folge, checken täglich 20 Prüfer etwa 2000 Bewertungen, ob sie glaubwürdig sind. Amazon gibt angeblich jährlich 400 Mio. US-Dollar dafür aus, Bewertungsfälschern auf die Spur zu kommen.



Foto: Website Fivestar; PM 15.11.2019

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