Post-Projekt: "PostPersönlich"

Der Post liegt "das Wohlbefinden ihrer Kunden am Herzen" - und bietet deswegen einen neuen Service an: "Das Leben zu Hause gibt gerade älteren, behinderten und vorübergehend eingeschränkten Menschen ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit. Sie wollen ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben in ihrer gewohnten Umgebung führen und ihre Freiheit genießen. Gleichzeitig wünschen sie sich im Alltag die beruhigende Gewissheit, dass täglich eine vertraute Person nach ihnen schaut und fachkundige Hilfe ruft, wenn sie benötigt wird." Dafür kooperiert die Post mit den Johannitern. Der Service ist kostenpflichtig.


Der Service sieht vor, dass der Postbote täglich bei dem Kunden klingelt und sich davon überzeugt, dass es ihm gut geht. Falls es der betroffenen Person nicht gut geht oder die Tür nicht geöffnet wird, gibt der Postbote diese Info an die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. weiter. Diese versucht dann, den Kunden oder einen Angehörigen zu erreichen. Rainer Ernzer, Pressesprecher der Deutschen Post, stellt aber klar: "Der Postzusteller macht keine medizinische Begutachtung."

Bisher gibt es das Angebot im Postleitzahlenbereich 45 - und ist auch kostenpflichtig. So zahlt der Kunden für das Paket A (Besuchszeiten Dienstag bis Freitag) 37,50 Euro und für das Paket B (Besuchszeiten Dienstag bis Samstag) 42,50 Euro.

Erzner betont, dass es sich erst um eine Testphase bis September handelt, um zu schauen, ob das Angebot angenommen wird und wie es mit der Umsetzung klappt. Aber er ist zuversichtlich, da schon viele Kundenanfragen vorliegen. Der Postbote erhält kein zusätzliches Geld, aber bekommt mehr Zeit eingeräumt. Sprecher der Fachgewerkschaft der Post DPVKOM Maik Brandenburger kritisiert: "Ein bis zwei Minuten pro Kunde sind bislang als Zeitansatz eingeplant. Aus unserer Sicht ist das realitätsfern, um diesen Service zu gewährleisten."

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz schließt sich bei der Kritik an und bezeichnet den Vorstoß der Post als "Frechheit" und "Bauernfängerei". Der Vorstandsvorsitzende Eugen Brysch ist gar nicht angetan: "Mit der Vertrauensstellung Postbote, der für viele einsame Senioren der einzig menschliche Kontakt am Tag ist, soll schnelle Kasse gemacht werden." Andere Anbieter erkundigten sich täglich nach den zu betreuenden Personen, auch am Wochenende, poltert er.



http://www.deutschepost.de/de/p/postpersoenlich/entdecken-sie-postpersoenlich.html 30.06.14

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