Johnson & Johnson plant Unternehmenssplit

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Das weltweit wohl größte Pharmaunternehmen für Gesundheitsprodukte, der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson, will sein Geschäft aufteilen. Damit folgt er dem Trend in der Pharmabranche, das Rx- und das OTC-Geschäft zu trennen. Möglicherweise gibt es aber mindestens noch einen weiteren Grund für diesen Schritt.

Die New York Times meldet, dass das 135 Jahre alte Unternehmen, sich einer länger werdenden Liste „US-amerikanischer Kultfilmen" anschließt und sein Geschäft aufspalten will, „um unruhigen Anteilseignern zu gefallen und jüngste Kontroversen hinter sich zu lassen". Johnson & Johnson selbst kündigt in einer Pressemeldung vom 12. November 2021 an, dass es die Innovationen beschleunigen, Patienten und Konsumenten besser betreuen und versteckte Werte erschließen will und deshalb die Sparte Consumer Health separieren will.

Das neue Consumer Health Geschäft wäre ein Global Leader Marken, die Kultstatus genießen und Produkten, die von über einer Mrd. Menschen täglich genutzt würden. Johnson & Johnson würde eine weltweit führendes Unternehmen im Bereich Healthcare bleiben, das sich auf ungedeckte medizinische Bedürfnisse konzentrieren und den Versorgungsstandard in der Medizin durch biopharmazeutische und medizintechnische Innovationen und Technologie voran bringen werde. Damit ist klar, dass die Rx- und Medizintechnik-Sparte unter dem Namen Johnson & Johnson zusammen bleibt. „Die Trennung ist so gestaltet, dass sie die operationale Leistung und die strategische Flexibilität stärkt, wovon Patienten und Konsumenten profitieren werden und für alle Stakeholder Werte erschließt."


Tatsächlich haben in den letzten Wochen große Unternehmen wie General Electric und Toschiba ihre Pläne zur Aufspaltung verkündet. Und Pharmafirmen wie Merck, Pfizer, Novartis, Boehringer Ingelheim und GlaxoSmithKline haben schon in der Vergangenheit oder planen in der nahen Zukunft ihr Rx- und OTC-Geschäft zu trennen, um sich auf die Sparten konzentrieren zu können, „die fettere Profitspannen versprechen" (New York Times, 12. November 2021).


Das Handelsblatt (12.11.2021) macht aber darauf aufmerksam: „Darüber hinaus dürfte der Schritt aber auch durch das Ziel motiviert sein, das hochprofitable Pharma- und Medizintechnikgeschäft des Konzerns noch stärker von den Schadensersatzrisiken im Consumer-Bereich zu separieren." Es geht u.a. um Tausende von Klägerinnen, die einem Puder die Verantwortung für Krebserkrankungen anlasten. In einem Urteil verfügten Richter im Bundesstatt Missouri eine Schadenersatzzahlung von zunächst 4,7 Mrd. US-Dollar, die später auf 2,1 Mrd. US-Dollar reduziert wurde.


Kritik zog Johnson & Johnson auf sich, weil es die Verbindlichkeiten aus den Schaden 38.000 Klagen in ein neues Unternehmen, die LTL Management, auslagerte. Die mit 2 Mrd. US-Dollar ausgestattete Firma meldete inzwischen „Bankrott" an, schreibt die Berliner Morgenpost. Einen „Insolvenztrick" nennt das nicht nur die Zeitung. Ein Bundesgericht wird sich mit dem Fall beschäftigen und entscheiden, ob es sich bei dem Vorgehen um eine unfaire Praktik oder eine gesetzeskonforme Strategie handelt.


Die Trennung soll innerhalb der nächsten 18 bis 24 Monate über die Bühne gehen. Mit dem neuen Consumer Health Firma entsteht ein Unternehmen, das 2021 einen Jahresumsatz von 15 Mrd. US-Dollar erzielen soll und sich nach Angabe von Johnson & Johnson auf vier Megabrands mit einem Umsatz von jeweils 1 Mrd. US-Dollar und 20 Marken mit einem Umsatz jeweils über 150 Mio. US-Dollar stützen kann. Die „neue" Johnson & Johnson wird mit ihrem Pharma- und Medizintechnik-Geschäft auf einen Jahresumsatz von etwas 77 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Quelle: Handelsblatt, New York Times, Berliner Morgenpost; Foto: Johnson & Johnson; PM 11-18-2021

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