Microsoft nimmt nächsten Schritt in die Gesundheitsbranche

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Microsoft übernimmt den Softwareentwickler Nuance Communications. Das Unternehmen ist auf Künstliche Intelligenz (KI) und Cloud Computing spezialisiert. Die Technik von Nuance wird auch im Gesundheitsbereich eingesetzt. Analysten erwarten, dass Microsoft seine Aktivitäten im Gesundheitsmarkt in den kommenden Jahren weiter ausbauen wird.

19,7 Mrd. US-Dollar zahlt Microsoft für Nuance, die mit ihrer Software auch dem Spracherkennungssystem Siri von Apple seine Fähigkeiten verleiht. Die Spracherkennung wird aber vor allem von Ärzten in den USA genutzt, um direkt dem Patienten zu kommunizieren und Daten in der elektronischen Patientenakte zu speichern. Nuance verweist auf Zahlen, dass 55 Prozent aller Ärzte, 75 Prozent der Radiologen und 77 Prozent der Krankenhäuser Nuance-Programme einsetzen, eben auch, um Patientendaten zu dokumentieren.

In der neuen gemeinsamen Firma wird Mark Benjamin, bisher CEO von Nuance, seinen Job behalten. In Zukunft muss er aber zum Rapport zu Scott Guthrie, Executive Vice President von Cloud & AI bei Microsoft. Der Deal soll am Ende des Jahres abgeschlossen sein.


Microsoft will mit diesem Schritt sein Projekt Microsoft Cloud for Healthcare stärken, das 2020 aus der Taufe gehoben wurde. Erst im Februar dieses Jahres wurde für April ein Up-Date angekündigt, das neue Features wie virtuelle Gesundheit, fortlaufendes Patientenmonitoring und Pflegekoordination enthält und in acht weiteren Sprachen angeboten wird.


Nuance bringt KI- und Cloud basierte Lösungen mit: Dragon Ambient eXperience, Dragon Medical One and PowerScribe One, die alle mit Spracherkennung arbeiten. Microsoft teilt mit, dass die Akquisition einen vorhandenen Markt im Gesundheitswesen von fast 500 Mrd. US-Dollar eröffnet. Außerdem können mit den Spracherkennungssystemen Kundenbindungslösungen, virtuelle Assistenten sowie digitale biometrische Angebote verwirklicht werden.


Microsoft kauft schon seit einiger Zeit KI-Firmen auf. GlobalData hat in den vergangenen fünf Jahren zwölf solcher Deals verzeichnet, bei Apple sollen es sogar 25 und bei Google 14 sowie bei Facebook neun gewesen sein. Außerdem hat Microsoft kürzlich den Spieleentwickler Bethesda für 7,5 Mrd. US-Dollar übernommen und soll in Verhandlungen mit dem Chatdienst Discord stehen, für den 10 Mrd. US-Dollar berappt werden sollen.


Akutalisierung (14.4.2021)
Microsoft kooperiert zukünfitg mit der AXA, um einen vereinfachten und vernetzten Zugang zu digitalen Services zu ermöglichen. In einem ersten Schritt schaffen sie auf europäischer Ebene eine digitale Gesundheitsplattform, die an die jeweiligen Besonderheiten der Länder angepasst werden kann. Deutschland und Italien sind bereits als Pilot-Projekte gestartet. Das Vereinigte Königreich, Belgien, Spanien und die Schweiz sollen folgen. Erweitert wurden die digitalen Angebote um den Symptom-Check und die direkte Anbindung des Online-Arztes. Damit soll Versicherten geholfen werden, den eigenen Gesundheitszustand besser einzuschätzen, den richtigen Facharzt zu finden und weitere Unterstützung im gesamten Folgeprozess zu erhalten. Eingebunden werden diese Services in das bereits seit 2016 bestehende ePortal „Meine Gesundheit". Erste Diagnoseeinschätzungen sowie eine Empfehlungen können direkt in der digitalen Gesundheitsakte gespeichert werden.

Foto: Microsoft; PM 4-22-2021

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