EU-Kommission: AbbVie darf Allergan übernehmen

Foto: AbbVie

Am 25. Juni 2019 teilten die beiden Pharmaunternehmen AbbVie und Allergan mit, dass sie in Verhandlungen für ein „definitive transaction agreement" eingetreten sind. Jetzt hat die EU offenbar die Akquisition von Allergan durch AbbVie zugestimmt. Der Merger kostet die stattliche Summe von 63 Mrd. US-Dollar.

Allerdings hat die EU-Kommission ihre Zustimmung von Zugeständnissen abhängig gemacht. So hatte die EU Bedenken, dass das neue Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung in chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) haben könnte.

AbbVie hat deshalb aus dem Allergan Portfolio Zenpep, ein Medikament für Menschen, deren Bauchspeicheldrüse unzureichend Enzyme produziert, um Fett, Proteine und Kohlenhydrate aufzuspalten, an Nestle verkauft. Das Mittel macht in den USA einen Umsatz von 237 Mio. US-Dollar. Ein Verkaufspreis wurde zwar nicht genannt, doch die Zürcher Kantonalbank schätzt ihn auf über 1 Mrd. US-Dollar.


Außerdem hat AbbVie Brazikumab, ein noch in der Enttwicklung befindliches Medikament gegen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, an AstraZeneca verkauft. Das Mittel soll im Zeitraum Ende 2024 Anfang 2026 auf den Markt kommen. Auch wenn es zu den Verkaufsmodalitäten keine genaueren Informationen gibt, dürfte das Volumen wohl über 1,5 Mrd. US-Dollar betragen.


In den USA hat die United States Federal Trade Commission (FTC) die Überprüfung der Transaktion noch nicht abgeschlossen. Ein Ergebnis soll aber Mitte dieses Jahres vorliegen.


Die Übernahme von Allergan durch AbbVie hat die NZZ mit hämischen Worten berichtet: „Der alternde Pharmariese Abbvie hofft auf ein Facelift durch den Kauf des Botox-Herstellers Allergan." Durch die Akquisition entstehe einer der grössten Pharmakonzerne mit einem Umsatz von rund 49 Mrd. US-Dollar. Mit dem Kauf von Allergan verschaffe sich Abbvie nun Zugang zu potenziellen neuen Blockbustern. Und gleichzeitig einen absehbaren Umsatz- und Gewinnrückgang verhindern, der sich mit dem Patentablauf von Humira (Umsatz 2018: 19,9 Mrd. US-Dollar oder 61% des Konzernumsatzes) abzeichne.


Das Handelsblatt schrieb: „Das große Fressen: Neue Milliardenübernahme in der Pharmabranche." Und merkte kritisch an: „Die Nettoverschuldung des Konzerns inklusive Allergan dürfte dadurch bei Vollzug des Deals auf rund 90 Milliarden Dollar steigen, das mit Abstand höchste Niveau in der Branche. Beide Konzerne bringen Finanzschulden in zweistelliger Milliardenhöhe mit in die Fusion."

Quelle: Pharmaforum, Handelsblatt, NZZ, finanztreff; Foto: AbbVie; PM 9.3.2020

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