Einfachere Qualitätssicherung

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) und das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) arbeiten zusammen. Das Ziel dabei ist, die Qualitätssicherung bei der medizinischen Versorgung von Patient:innen insgesamt einfacher und praxisnaher zu machen. Dabei spielt das IQTIG eine ähnliche Rolle wie das IQWiG bei neuen Medikamentenzulassungen: "Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G‐BA) entwickelt das Institut Qualitätssicherungsverfahren und beteiligt sich an deren Durchführung." Und nun hat es die Aufgabe, ein Konzept und Verfahren "zur kontinuierlichen und systematischen Identifizierung von Versorgungsbereichen mit relevanten Qualitätsdefiziten anhand der Einbeziehung von Literaturrecherchen, Routinedaten oder anderen Informationsquellen (z. B. Daten aus der Versorgungsforschung, hochwertigen Leitlinienempfehlungen, Registern oder Behandlungsfehlerstatistiken)" zu erarbeiten.

Der G-BA will seine Maßnahmen und Verfahren vor allem auf jene Bereiche fokussieren, die besonders anfällig für Behandlungsfehler sind oder bei denen ein großer Effekt für die Patientenversorgung zu erwarten ist. Wo es sich lohnen würde, Verfahren noch gezielter als bisher auf Qualitätsziele oder -defizite auszurichten, soll das IQTIG identifizieren. Der G-BA bereitet einen entsprechenden Auftrag für eine wissenschaftliche Konzeptentwicklung vor, der spätestens 2023 ans IQTIG gehen soll.

So steht in dem Eckpunktepapier zu dem neuen Unterfangen:

  • Anhand von 2 bis 3 Verfahren der datengestützten Qualitätssicherung (QS) soll exemplarisch überprüft werden, inwieweit sich insbesondere das Verhältnis von Aufwand und Nutzen optimieren lässt. Hierzu beauftragt der G-BA das IQTIG, die ausgewählten QS-Verfahren zu prüfen und konkrete Empfehlungen zur Überarbeitung, Aussetzung oder Aufhebung von Datenfeldern, Qualitätsindikatoren oder des QS-Verfahrens.

  • Hierbei soll insbesondere analysiert werden, inwieweit sich die QS-Maßnahmen an bestehenden Qualitätsdefiziten ausrichten, ob die eingesetzten Qualitätsindikatoren geeignet sind, definierte Qualitätsziele zu erreichen, ob die eingesetzten Qualitätsindikatoren Deckeneffekte aufweisen (z. B. das Qualitätsziel erreicht ist, sodass keine wesentlichen Qualitätsverbesserungen mehr ersichtlich sind) und ob die Definition der Datenfelder und Nutzung der zur Verfügung stehenden Datenquellen effizienter ausgestaltet und die händische Dokumentation und weitere Aufwände reduziert werden können.

  • Dabei ist das gesetzliche Ziel der Herstellung von einrichtungsbezogener, vergleichender Transparenz und Veröffentlichung von Qualitätsergebnissen zu berücksichtigen. Hierbei sind mit Blick auf die Datenerhebung die Vorgaben und Möglichkeiten des § 299 SGB V (wie Begrenzung der Datenerhebung auf eine Stichprobe der betroffenen Patienten) zu beachten."



Ganz wichtig wird es sein, bestehende Datenquellen bzw. Routinedaten für diesen methodischen Ansatz stärker zu nutzen. Mit einer neu entwickelten Methodik zur qualitativen Ergebnisbeurteilung soll außerdem besser zwischen rein rechnerischen Auffälligkeiten und tatsächlichen Defiziten unterschieden werden können. Dies soll eine vertiefte Ursachenanalyse von Einzelergebnissen und ggf. von solchen auf Systemebene (z. B. betroffene Leistung, Fachabteilung, Einrichtung) ermöglichen sowie Maßnahmen zulassen, um Qualitätsanforderungen durchzusetzen.

Karin Maag, unparteiisches Mitglied des G-BA, betont: "Hinter jedem einzelnen Ansatz steht für mich: Aufwand und Nutzen bei der Qualitätssicherung müssen zusammenpassen. Nur so können wir alle an der Qualitätssicherung Beteiligten mitnehmen und tatsächlich für mehr Patientensicherheit in der Gesundheitsversorgung sorgen."

Was ist die datengestützte Qualitätssicherung?
Der G-BA entwickelt sogenannte datengestützte Qualitätssicherungsverfahren, mit denen die Qualität der medizinischen Patientenversorgung gemessen, dargestellt und einrichtungsübergreifend verglichen werden kann. Solche datengestützten Qualitätssicherungsverfahren gibt es schon heute z. B. bei Brustkrebsoperationen oder Hüftgelenkseingriffen. Die Ergebnisse aus der Datenanalyse helfen Leistungserbringern, ihre Behandlungsqualität im Vergleich mit anderen einzuschätzen und zu verbessern. Normative Basis ist die Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL).

Das Eckpunktepapier unter:
https://www.g-ba.de/downloads/39-261-5386/2022-04-21_DeQS-RL_Eckpunkte_Weiterentwicklung.pdf

Foto: Screenshot IQTIG-Website; PM-04-27-2022-Qualitaetssicherung

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