Ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem braucht digitale Daten

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Jeden Tag entstehen digitale Gesundheitsdaten – bei Krankenkassen wie in der Forschung. Doch oft bleiben sie liegen. Experten mahnen, es könnten sich riesige Datenfriedhöfe aufbauen. Darum sei eine nationale Strategie nötig, fordert die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).

So lässt sich mit Hilfe dieser Routinedaten beispielsweise der unmittelbare Nutzen bestimmter Behandlungen oder Therapeutika erforschen. Derzeit stehen diese Daten jedoch der Forschung nicht zur Verfügung. Auch bei der Verwendung von Registerdaten gibt es bürokratische Hürden für die Forschung. „Es besteht die Gefahr, dass hier riesige Datenfriedhöfe entstehen, deren großes Potenzial für die Gesundheitsforschung ungenutzt bleibt", befürchtet Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Henning Schliephake, stellvertretender Präsident der AWMF.

Ärztinnen und Ärzte, Mitarbeitende der Gesundheitsberufe wie auch Patientinnen und Patienten müssen informierte Entscheidungen treffen. Wichtige Basis hierfür: medizinisch-wissenschaftliche Leitlinien. Auch digitale Gesundheitsanwendungen können helfen, die medizinische Versorgung zu verbessern. „Entscheidend dafür ist jedoch, dass die Daten, die den Anwendungen zu Grunde liegen, evidenzbasiert sind", fordert Professor Dr. med. Rolf-Detlef Treede, Präsident der AWMF.

Gesundheitsdaten werden bereits heute digital erfasst. Dadurch entstehen etwa in den Registern der Krankenkassen medizinische Informationen in großem Umfang. Sie können dazu beitragen, mehr über die medizinische Versorgungsrealität zu lernen. Die AWMF fordert die Politik deshalb auf, die Nutzung von Gesundheitsdaten für die Forschung klar zu regeln und den Zugang zu diesen Daten zu erleichtern.

Im Rahmen des Digitale-Versorgungs-Gesetzes hat die Politik bereits erste Schritte begonnen. Der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) kann das Erstellen von Leitlinien in bestimmten Themenfeldern finanziell fördern, beispielsweise zu seltenen Erkrankungen oder im Bereich der Infektionskrankheiten. Neben der Förderung der Leitlinienentstehung sei es wichtig, die Digitalisierung der Leitlinien voranzutreiben, damit Wissen für unterschiedliche Akteure im Gesundheitswesen jederzeit und ortsunabhängig unmittelbar in der Krankenversorgung verfügbar gemacht werde.
Für die aktuelle Legislaturperiode fordert die AWMF deshalb eine nationale Strategie, um evidenzbasiertes Wissen in digitalen Gesundheitsanwendungen, Patienteninformationen oder Arztinformationssystemen zu integrieren.
Foto: Screenshot Facebook Präsenz AWMF; PM 05-03-2022-digitale_Daten

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