Studie zur Nutzung von Online-Sprechstunden

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In 2018 wurde auf dem 121. Deutschen Ärztetag die Online Sprechstunde erlaubt - oder wie es im Beschlussprotokoll "Fernbehandlung" heißt. Dieser Beschluss kam gerade recht, nachdem nur ein Jahr später Corona gerade diese Voraussetzung nötig machte. Und obwohl einer Mehrheit die Online Sprechstunde ein Begriff ist, würden 44% mehr zum Thema wissen wollen, z. B. darüber, bei welchen Beschwerden sie genutzt werden kann, zur technischen Ausstattung oder wie eine solche Videosprechstunde abläuft, zeigen Ergebnisse einer Studie der Stiftung Gesundheit. Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, ordnet das folgendermaßen ein: "Videosprechstunden sind eine Chance für die zukünftige Gesundheitsversorgung in Deutschland. Auch wenn die Zahl an Online-Sprechstunden weiter steigt, bleiben für viele Menschen die Hürden zur Nutzung solcher Medien für die eigene Versorgung bestehen."

Dieses fehlende Wissen könnte ein Grund dafür sein, dass viele Deutsche noch keine eigenen Erfahrungen mit dem Arztgespräch über den Bildschirm gemacht haben, lautet seine schlichte Erklärung.
Im Beschlussprotokoll des Deutschen Ärztetages von 2018 lautet das so:
"Ärztinnen und Ärzte beraten und behandeln Patientinnen und Patienten im persönlichen Kontakt. Sie können dabei Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen. Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird."

Zwei Jahr später ist laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) die Zahl von knapp 3000 Videosprechstunden im Jahr 2019 auf 1,4 Mio. im ersten Halbjahr 2020 gestiegen. Doch was im Beschlusstext steht, der persönliche Kontakt, wird von den meisten Deutschen immer noch bevorzugt. In der Befragung der Stiftung Gesundheit geben nur vier Prozent an, auch schon einmal Patient oder Patientin in einer Videosprechstunde gewesen zu sein. Für diese sind vor allem diese Gründe ausschlaggebend: die Angst vor einer Ansteckung (31%), ein früher verfügbarer Termin sowie die gesparte Anfahrt (beides mit 27%). Zudem wird die Vermeidung von Wartezeiten, die Art des Anliegens (Routine) oder das Fehlen eines Facharztes in der Nähe genannt.

Diejenigen, die schon einmal an einer Videosprechstunde teilgenommen haben, haben überwiegend positive Erfahrungen gemacht. So wird die Alternative vor dem Bildschirm von den Patienten vor allem als zeitsparend (84%) und zielführend (82%) gesehen. Etwa die Hälfte von ihnen gab an, dass die Behandlung gleichwertig zu einer Sprechstunde vor Ort empfunden wurde. Den Eindruck, dass eine Videosprechstunde kompliziert ist, hatten 23% und 22% empfinden sie als unpersönlich.

Ergebnisse und Grafiken der Befragung unter:
www.stiftunggesundheitswissen.de/Ergebnisse_Befragung_Videosprechstunde.pdf
Grafik: Stiftung Gesundheit PM 05-13-2022-Online_Sprechstunde

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