“Höchste Zeit” für eigene Lösungen beim Datensammeln

Apple, Google und Amazon mischen schon seit längeren beim Thema Gesundheit mit. Und mischen den Markt dadurch gehörig auf - und sammeln Daten. Für Prof. Dr. Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), ist das ein Dorn im Auge. Im Handelsblatt meinte er: "Die großen Konzerne wie Google, Facebook und Amazon sind dabei, Daten von Millionen Patienten zu sammeln. Da werden Fakten geschaffen, die Abhängigkeiten erzeugen. Es ist höchste Zeit, dass wir darüber nachdenken, ob wir eine unabhängigere Lösung von diesen großen amerikanischen Anbietern haben wollen."

(Foto: Screenshot Verily, Gesundheitskonzern der Google-Mutter Alphabet)



Und er legte nach: "Die Digitalisierung verändert unsere regulatorische Arbeit dramatisch. Wir müssen viel mehr Produkte mit digitalen Zusatzfunktionen prüfen, mit neuen Kategorien von elektronisch gesammelten Patientendaten arbeiten. Und wir müssen bewerten, ob das, was gemessen wird, auch wirklich geeignet ist, den Nutzen für den Patienten nachzuweisen. Wir haben große Sorge, dass durch die vielen digitalen Programme einfach Black Boxes entstehen, die keiner kontrollieren kann."

 


Gerade erst auf dem in der letzten Woche zu Ende gegangenen Deutschen Ärztetags haben die Delegierten beschlossen, dass sie Gesundheits-Apps auf Rezept ausstellen wollen. Apple hat längst Apps zur Verfügung, die sie auch der Forschung zur Verfügung stellen, um Daten zu sammeln. Apple arbeitet mit Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen, Google mit Sanofi bei Diabetes. Verily, der Gesundheitskonzern der Google-Mutter Alphabet, ist mit Novartis, Otsuka, Pfizer und Sanofi eine strategische Allianz eingegangen. Sie arbeiten beim Projekt Baseline zusammen. Ziel dabei ist, mehr Patienten an der Forschung teilhaben zu lassen und die Generierung von wissenschaftlichen Nutzennachweisen zu beschleunigen. Klinische Studien sollen in Zukunft einfacher und schneller ins Laufen kommen.


 


Dabei kommen Daten zustande - unheimlich viele Daten. Und Daten sind das neue Gold. Broich will dabei "eine unabhängigere Lösung von diesen großen amerikanischen Anbietern" - wie könnte diese aussehen? Als ein Beispiel nennt er das Sentinel-Programm der FDA: Das ist ein auf Routinedaten aus der Medizinpraxis aufgebautes System zur Risikoüberwachung von Arzneimitteln und Medizinprodukten. Dabei fließen Daten aus unterschiedlichen Ebenen des amerikanischen Gesundheitssystems ein, wie Daten von Kliniken, Arztpraxen, Versicherungen, Sterbe- und Impfregistern. Real-World-Daten könnten zukünftig auch die neuen Produkte mit digitalen Zusatzfunktionen überwachen, findet Broich und fordert: "Das ist ein Modell, das wir auch in Europa brauchen."


 


Das kürzlich von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgestellte Digitale Versorgung Gesetz will die Nutzung von Gesundheitsdaten ermöglichen. Broich findet das gut, denn "wir werden dank der neuen Techniken viel schneller sehen, welche Patienten profitieren und welche nicht. Und welche Produkte funktionieren und welche nicht. Wir gehen weg von der Produktfixierung hin zum Patientennutzen. Und der kann durch die neuen Werkzeuge durchaus auch anders als bisher definiert werden."

05.06.19

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