Medizinische Versorgung: „Gesundheit mehr vernetzt denken.“

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Die AOK NordWest wollte wissen, wie die Menschen in der Region Westfalen-Lippe ihre Gesundheitsversorgung einschätzen. Laut der Umfrage sind für 97% der Befragten die Hausärzte nach wie vor am wichtigsten, wünschen sich aber mehr Vernetzung unter den Ärzt:innen.

Nach den Hausärzten folgt die Internetversorgung (88%), Schulen und Bildungseinrichtungen (87%) sowie Krankenhäuser (86 Prozent). 71% der Befragten sind mit den Hausärzten zufrieden. Im Vergleich zur letzten Befragung in 2020 waren es noch 80%. Bei den Krankenhäusern liegt die Zufriedenheit bei 75% (79% in 2020). Die Zufriedenheit mit den Fachärzten liegt derzeit bei 53% (65% in 2020), bei ambulanten Pflegeangeboten liegen die Werte unverändert bei 56% und bei den stationären Pflegeangeboten bei 48% (54%).

Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest, schätzt, dass durch die Corona Pandemie die Menschen unzufriedener geworden sind. So vermutet er, dass "sich hier offenbar verstärkt die Erfahrungen aus der zweiten bis vierten Corona-Welle bemerkbar machen. In der Wahrnehmung der Befragten lagen die Hauptprobleme während der Corona-Pandemie in erster Linie bei den verschobenen Krankenhaus-Behandlungen und überforderten Gesundheitsämtern."

Aufgaben für die Gesundheitspolitik
Gefragt nach den Themen, die aktuell wichtig sind und worum sich die Bundesregierung kümmern sollte, liegt die "Stärkung des Gesundheitssystems" mit 82% auf Platz zwei, gleich hinter "Investitionen in Schule, Bildung und Kinderbetreuung" (86%). Am häufigsten nennen 89% der Befragten den Fachkräftemangel als derzeit größtes Problem für das deutsche Gesundheitswesen. Fehlende finanzielle Mittel (57%) und die mangelnde Koordination der beteiligten Akteure (56%) sind weitere Baustellen, die die Befragten kritisch sehen. Ackermann sieht noch eine andere wichtige Aufgabe: "Viele Menschen haben weiterhin große Probleme, verständliche Informationen für eine gesicherte und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu bekommen und diese zu bewerten." Ein leichter Zugang zu verständlichen Informationen in verschiedenen Sprachen sei deswegen sehr wichtig.

Versorgung: Digitale Lösungen und Vernetzen
Ackermann setzt weiterhin auf Videosprechstunden als Ergänzung zum Praxisbesuch. Denn 68% der Menschen in Westfalen-Lippe können sich inzwischen vorstellen, sich mit Fragen zu ihrer Gesundheit per Videosprechstunde an einen Arzt oder Ärztin zu wenden. Bei der AOK NordWest sind in 2021 insgesamt 49.641 Videosprechstunden durchgeführt worden - vor der Pandemie in 2019 waren es 227. 94% der Befragten waren mit dem Angebot zufrieden oder sehr zufrieden.

Ein anderes Beispiele für eine digitale Versorgungsform ist das virtuelle Krankenhaus (VKh.NRW) und der Telenotarzt. Was erst als Modellprojekt in Aachen begann, hat sich inzwischen in vielen anderen Städten in NRW etabliert. Auf der Website des virtuellen Krankenhauses wird beschrieben: "Das Virtuelle Krankenhaus Nordrhein-Westfalen (VKh.NRW) bietet für den ärztlichen kollegialen Austausch mittels Telekonsil eine unabhängige digitale und kostenfreie Vermittlungs- und Serviceplattform an. In unserem sektorenübergreifenden Netzwerk profitieren niedergelassene sowie angestellte Ärzt:innen vom Spezialwissen ausgewiesener Expert:innen." Und u.a. steht noch dort: "Tauschen Sie sich mit führenden Expert:innen über Sektoren, Fachgebiete und Einrichtungen hinweg aus und gewinnen Sie in komplexen Behandlungs- und Therapiesituationen mehr Sicherheit für Ihre Entscheidungen."
Ackermann findet: "Das kann die Behandlung und Prognose gerade auch bei schwer erkrankten Patientinnen und Patienten deutlich verbessern. Solche innovativen Angebote sollten weiter ausgebaut und vorangebracht werden."

Zustimmung von Seiten der Patient:innen
Viele wünschen sich, dass künftig die Gesundheitsversorgung noch viel stärker sektorenübergreifend organisiert und flexibel koordiniert werden müsse. Nur 43% geben an, dass die Abstimmung zwischen medizinischen Einrichtungen während einer Behandlung gut oder sehr gut funktioniert. Als Gründe werden zu wenig Zeit (81%), zu wenig fachlicher Austausch (66%) oder eine fehlende digitale Vernetzung (65%) gesehen.

Ohne entsprechende Reformen ist davon auszugehen, dass wir auch nach der Pandemie zum alten Auslastungsrad mit unnötigen Doppel- und Mehrfachuntersuchungen, unwirtschaftlichen Strukturen, zu viel Krankenhausbetten und Defizite in der Notdienst- und Notfallversorgung zurückkehren werden. Denn die Corona-Ereignisse haben weder die Verhältnisse noch das Verhalten von Patienten nachhaltig verändert", bemängelt Ackermann.


Foto: AOK NordWest; PM 08-17-2022-Versorgung

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