Wenn Kinder mit Typ-1-Diabetes erwachsen werden: Fachleute für bessere Versorgung

DDG

Moderne Technologien haben die Versorgung von Typ-1-Diabetikern enorm verbessert. Besonders Kinder und Jugendliche nutzen sie. Das Problem: Um als Erwachsene weiter davon zu profitieren, fehlt Fachwissen. Mediziner wie Prof. Dr. Andreas Neu fordern einen besseren Übergang von der Kinderdiabetologie in die Erwachsenenmedizin.



Es ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter: Typ-1-Diabetes. In Deutschland sind rund 32.500 Menschen unter 18 Jahren betroffen. Und die Tendenz ist steigend. Insbesondere unter kleinen Kindern hat sich die Zahl der Erkrankungsfälle in den letzten Jahren verdoppelt. Jedes Jahr erkranken hierzulande mehr als 3.000 Minderjährige an einem Typ-1-Diabetes. Die Rate der Typ-1-Diabetes-Neuerkrankungen steigt derzeit jährlich um drei bis fünf Prozent an.
Problematisch wird es für viele, wenn sie erwachsen werden. Das sind jedes Jahr etwa 2000 Typ-1-Diabetiker:innen. Moderne Technologien wie Insulinpumpen und Glukosesensoren sind in der Kinderdiabetologie nämlich viel weiter verbreitet als in der Erwachsenenmedizin. Die so genannten AID-Systeme (Automatische Insulin-Dosierung) erleichtern die Versorgung für die jungen Patient:innen enorm. Denn sie regulieren die Glukosemessung und Insulinabgabe teilautomatisch. Sie ahmen gewissenmaßen die natürliche Funktion der Bauchspeicheldrüse nach. Dadurch schwankt der Stoffwechsel weniger als mit konservativen Methoden.
Mehr als 90 Prozent der Kinder unter sechs Jahren nutzen zur täglichen Stoffwechselkontrolle moderne Diabetestechnologien, die bei älteren Kindern und Jugendlichen ebenso zum Einsatz kommen. Im Gegensatz dazu beträgt der Anteil unter betroffenen Erwachsenen über 20 Jahre mit einer Insulinpumpentherapie unverändert 20 bis 30 Prozent. Eine entsprechende Expertise für Schulung und Begleitung im Umgang mit modernen Diabetestechnologien fehlt daher vielerorts in der Erwachsenentherapie. Das kritisieren die Expert:innen der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. Sie fordern: Es braucht flächendeckend qualifizierte Versorgungsangebote und eine gute Begleitung der Jugendlichen in dieser Lebensphase.
Schon jetzt gelingt es zehn bis 40 % der jungen Typ-1-Diabetiker:innen nicht, als Erwachsene genauso fachärztlich betreut zu werden wie zuvor (Transition). Das birgt große gesundheitliche Risiken – angefangen von Stoffwechselentgleisungen bis hin zu vorzeitiger Erblindung, Nierenversagen und Amputationen. Wer nicht gut fachärztlich betreut bleibt, kommt häufig erst zu den Diabetolog:innen, wenn bereits Schäden auftreten. Zentral sei es den Expert:innen zufolge daher, die Betroffenen gerade in der Transitionsphase intensiv in ihrem Umgang mit der Krankheit zu schulen und sie auf neue Herausforderungen vorzubereiten: Umgang mit Alkohol, Führerschein, Reisen und Sport. DDG-Präsident Prof. Dr. Andreas Neu betont: „Weil wir wissen, dass die Transition im Diabetesbereich eine kritische Phase in der Versorgung darstellt, gilt es, die Heranwachsenden frühzeitig darauf vorzubereiten." Da der Einsatzes hochspezialisierter Diabetestechnologien rasch zunimmt fordert Neu mit den Fachleuten die weitere Verbesserung der Transition in die Erwachsenendiabetologie.

Wer fachärztliche Betreuung sucht, findet auf der Seite der DDG eine Übersicht aller von der DDG zertifizierten Kliniken und Arztpraxen. (Bitte verlinken: https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/behandlung/zertifizierte-einrichtungen)



Foto: Screenshot Twitter DDG; PM 11-07-2022

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