Wo Deutschland digitale Echtzeit-Informationen hat – und braucht

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Wie viele Menschen sind gerade mit Corona infiziert? Wie viele müssen in Krankenhäusern versorgt werden? Die Pandemie machte deutlich, wie wichtig Echtzeit-Informationen sind. Der Zi-Congress lieferte einen Überblick über zentrale Bausteine hierzu in Deutschlands Gesundheitsversorgung.

Datenexperten wie der Medizinstatistiker Gerd Antes oder Ralf Münnich, Vorsitzender der Deutschen Statistischen Gesellschaft, mahnen es schon lange an: Deutschland braucht bessere Daten, besser vernetzte Daten, bessere (und mehr) Statistiker. Dann gäbe es ein umfassendes Bild der Corona-Lage in Deutschland. Und die Daten könnten tatsächlich als belastbare Basis für politische Entscheidungen dienen.
Denn das ist eine Lehre aus der Pandemie-Zeit: Bevölkerungsbezogene Erhebungen zur Krankheits- und Versorgungslage sollten fortwährend aufbereitet und Veränderungen wichtiger Versorgungsindikatoren transparent gemacht werden.
Corona bleibt letztlich ein Aspekt in der Gesundheitsversorgung, der allerdings so manche Entwicklung beschleunigt hat – und gleichzeitig offenlegte, wo sich dringend etwas ändern muss. Auf dem zweitägigen Zi-Congress „Versorgungsforschung 2022" in Berlin diskutierten Expert:innen aus Wissenschaft, Politik und Medien daher mögliche Transformationen der Gesundheitsversorgung.

1. Daten aus der Strukturierten medizinischen Ersteinschätzung in Deutschland (SmED)
Der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried nannte zwei gute Beispiele für entsprechende Digitalisierungsinitiativen: Das Register zur Verfügbarkeit und Belegung von Intensivbetten sowie das vom Zi aufgesetzte Berichtswesen über Daten aus der medizinischen Ersteinschätzung für Anfragen zu akuten Gesundheitsbeschwerden an die Rufnummer 116117. Dieses zeigt beispielsweise, dass in den vergangenen zwölf Monaten Covid-19 auf Platz fünf der häufigsten Anfragen lag. Häufiger kontaktierten Menschen den Gesundheitsdienst wegen Erbrechen/Übelkeit, Fieber, Bauchschmerzen und Husten.

2. Syndromische Surveillance-Systeme
Künftig werde die Abschätzung der Inzidenzentwicklung von Covid-19, aber auch Influenza, anhand der syndromischen Surveillance ein höheres Gewicht bekommen, bekräftigte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Prof. Dr. Lothar Wieler. Wichtige Vorteile seien die erregerübergreifende Erfassung akuter Atemwegserkrankungen und die enge Verknüpfung der erhobenen syndromischen Daten mit der virologischen Surveillance.
Hierzu könne auf bereits bestehende Datenerhebungen und Meldestrukturen zurückgegriffen werden. Diese Surveillance-Systeme bildeten einen bundesweiten Trend ab und erlaubten den Vergleich der Krankheitslast und -schwere durch verschiedene respiratorische Erreger, erläuterte Wieler weiter.

3. Bundesinstitut für Public Health
Die Politiker der verschiedenen Parteien zeigten sich einig: Mit einem wie bisher weitgehend unkoordinierten Sammeln und Veröffentlichen von Gesundheitsdaten könne keine evidenzbasierte Politik-Strategie entwickelt werden. Ein neu zu formierendes Bundesinstitut für Public Health als zentrale Datenauswertungs- und Krisenkommunikationsinstanz könne hier gegebenenfalls Abhilfe schaffen. Ein Daten-Forschungsinstitut forderte auch Statistiker Münnich schon lange, um Deutschland für künftige Pandemien sowie Krisen wie den Klimawandel besser aufzustellen.
Auf dem Zi-Congress unterstrichen die politischen Vertreter ebenso, dass ein datenbasierter Erkenntnisgewinn entscheidend sei. Das Bundesinstitut müsse ein Forschungsdatenzentrum sein, das dafür sorgt, dass seine Erkenntnisse über die Infektionsüberwachung hinaus für die Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung genutzt werden können. Im Pandemiefall könne das Institut zudem eine strukturierte Kommunikation unterstützen.


Foto: Screenshot https://smed.ziapp.de/; PM 12.09.2022

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