Akademisierung von Gesundheitsfachberufen

FAU

Die FAU (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) und das Uni-Klinikum Erlangen möchten die Zukunft der Ausbildung für eine moderne Gesundheitsversorgung gestalten. Die beiden Einrichtungen sind davon überzeugt, dass an der Akademisierung kein Weg vorbei führt. Prof. Dr. Christoph Ostgathe, Studiendekan der Medizinischen Fakultät, findet: "Dieser Schritt ist nicht nur wichtig und sinnvoll, es führt schlichtweg kein Weg daran vorbei. Deutschland hinkt in dieser Hinsicht anderen Ländern um Jahre hinterher. Wir brauchen aber die Akademisierung, wenn wir eine stärker wissenschaftsbasierte Gesundheitsversorgung und damit mehr Qualität und Sicherheit der Patientinnen und Patienten wollen..."

Und Ostgathe ergänzt: "Das gilt für die Pflege genauso wie für die Begleitung einer Geburt oder eine logopädische Behandlung. Damit einher geht ein hoher Bedarf an gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir alle wissen um den dramatischen Fachkräftemangel in allen Gesundheitsfachberufen. Die Akademisierung hilft, die Berufsfelder attraktiver zu machen, das haben andere Länder bereits gezeigt. Die Studentinnen und Studenten profitieren von weitreichenden akademischen Perspektiven von der Promotion bis zur Habilitation."

Ostgathe betont, dass "wir bereits mitten in der Akademisierung weiterer Gesundheitsfachberufe sind. Die Logopädie ist vor mehr als 10 Jahren über eine Modellklausel in die Akademisierung gestartet. Ergo- und Physiotherapie stehen quasi bereits in den Startlöchern. Zudem sind wir an der Konzeption eines berufsbegleitenden, interdisziplinären Masterstudiengangs, angelehnt an die Facharztausbildung. In einem so genannten „Common Trunk" werden für alle – egal ob Hebamme oder Physiotherapeut – gemeinsam Grundlagen vermittelt, danach folgt die jeweilige Spezialisierung. Ich bin überzeugt, dass es ein echtes Plus für Qualität in der medizinischen Versorgung ist, wenn angehende Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Entbindungspfleger, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, etc. bereits in der Ausbildung lernen, vernetzt zu arbeiten."

Am Beispiel der Hebammenausbildung erläutert Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Direktor der Frauenklinik und Leiter des Studiengangs Hebammenwissenschaft, wie in Zukunft die Student:innen ausgebildet werden: "Das Studium ist sehr anwendungsorientiert und bietet im Vergleich zur Ausbildung eine deutlich größere Zahl an Praxisanleitungsstunden. Damit wird die qualifizierte fachliche Begleitung mehr in den Fokus gerückt. Außerdem findet die „Examensgeburt" künftig in unserem Skills Lab statt. Hier wird eine Geburt simuliert und alle Studierenden haben für ihre Prüfung damit die gleichen Rahmenbedingungen. Das war bislang unmöglich, da jede Geburt natürlich anders verläuft. Im Skills Lab können die angehenden Hebammen und Entbindungspfleger an Puppen zudem jeden Handgriff und jede Notsituation trainieren, bevor sie gut vorbereitet in die Praxis gehen. Die akademische Lehre an der FAU und die praktische Ausbildung bei uns an der Frauenklinik als zentrale Praxiseinrichtung sind dabei detailliert aufeinander abgestimmt."

In seiner Fakultät setzen sie damit europäisches Recht und eine europäische Gesamtstrategie um. "Mit Blick auf die Hebammenausbildung kam uns zugute, dass das Hebammenreformgesetz ohnehin zwingend voraussetzt, Hebammen künftig in einem dualen Studium auf ihren Beruf vorzubereiten. Dadurch gab es den politischen Druck, diesen Studiengang einzurichten. Das kam uns sehr zugute, um die Ausbildung vergleichsweise schnell akademisieren zu können, was ein Gewinn für alle ist. Wir profitieren dabei von einer engen Kooperation mit der Universitätsmedizin Tübingen, die in Deutschland den Studiengang Hebammenwissenschaft als erste an einer Universität etabliert hat. Fest steht: In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Anforderungen deutlich verändert. Deshalb ist ein weitgefächertes Wissen für Hebammen und Entbindungspfleger von enormer Bedeutung," ergänzt Beckmann.


Foto: Screenshot Website FAU; PM 16-08-2022

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