Wie KI die Apotheke vor Ort in die Zukunft bringt

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Zu viele, zu wenige? Es ist für Apotheken nicht immer einfach, den Bedarf an Medikamenten optimal zu planen. Künftig soll das besser werden. Das Fraunhofer Institut entwickelt hierfür Künstliche Intelligenz. Das hätte einen weiteren positiven Effekt.

Ibuprofen, Aspirin, Humira oder Avastin – die Preisspanne von Arzneimitteln ist enorm. Im Lager der Vorort-Apotheken sollen möglichst die passenden Medikamente vorrätig sein. Das heißt, ausreichend für die Kundenbedürfnisse und gleichzeitig nicht unnötig viele oder teure, die Platz brauchen und im ungünstigsten Szenario verfallen. Da wäre es also gut, heute zu wissen, welche morgen gekauft werden.
Künstliche Intelligenz (KI) soll die Apotheken vor Ort nun zukunftsfähig machen – und gleichzeitig konkurrenzfähig gegenüber Online-Anbietern. Die Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) entwickelt daher im Projekt „KIBA – KI-basierte Bestandsplanung für Apotheken" eine KI-basierte Prognose, um die Bestandsplanung zu optimieren.
Diese soll den Bedarf an einzelnen Medikamenten vorhersagen. Saisonale Komponenten sollen dabei ebenso einfließen wie Muster, also etwa regelmäßige Abnahme durch Stammkunden. Julia Schemm von der Arbeitsgruppe beschreibt das Vorgehen weiter: Ein mathematisches Optimierungsmodell verheiratet diese Prognose dann mit anderen Restriktionen wie der Lagergröße oder Bestellkonditionen und liefert so die optimale Bestellentscheidung. Dadurch könnten Kundenbedarfe direkt bedient und gleichzeitig die Kapitalbindung durch Waren im Lager niedrig gehalten werden. Damit entstehe eine Win-win-Situation für Apotheker:innen und Kund:innen.

Weiterer Positiveffekt der KI-Planung

Die Menschen kämen im Idealfall wieder besser zusammen. Lagerbestände optimal ausnutzen und Kosten optimieren ist nur die eine Seite. Die KI-Planung soll direkt einen weiteren Effekt haben. Denn Fachpersonal ist Mangelware. Das gilt unter anderem für kaufmännisch ausgebildete Apothekenkräfte. Darum bleibt die aufwendige manuelle Bestandsplanung häufig an pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten (PTAs) oder Apothekerinnen und Apotheker selbst hängen. Wenn nun das Verfahren mittels KI weitestgehend automatisiert abläuft, bliebe dem Apothekenpersonal mehr Zeit für andere Aufgaben wie der Kundenberatung und der Kundenbindung. Und dieser Faktor Mensch ist ein entscheidender Vorteil gegenüber den Online-Apotheken.

Zum Hintergrund: Die Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer IIS optimiert durch Daten Organisationen, deren Prozesse, Geschäftsmodelle und Strategien. Dafür verbindet sie wirtschaftswissenschaftliche Methoden und technologische Lösungen mit mathematischen Verfahren und Modellen.



Foto: Screenshot Twitter Fraunhofer IIS; PM 22.08.2022

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