BVDVA: Fairere Bedingungen für deutsche Versandapotheken

Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) kritisiert die rigide Bestrafung von Apotheken im vorgesehenen "Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken", wenn diese Boni bei verschreibungspflichtigen Medikamenten anbieten. Für Versandhändler aus dem EU-Ausland ist das dagegen gängige Praxis. Christian Buse, Apotheker und BVDVA-Vorsitzender, findet: "Eine Höchstpreisverordnung würde faire Wettbewerbsbedingungen zwischen europäischen und deutschen (Versand-)Apotheken schaffen. Dabei wäre auch eine flexible Preisgestaltung der Apotheken für Dienstleistungen durchaus ein Hebel in Richtung Qualität und Vergütung."

Und Buse legt noch nach: "Mit dem geplanten neuen Gesetz handelt die Politik an den Wünschen der Patienten vorbei, aber sie sollen doch eigentlich im Mittelpunkt stehen." Denn laut der dritten Ausgabe des "Monitor Online-Health" begrüßen 72% der Befragten, dass es Boni auf verschreibungspflichtige Medikamente gibt.

 


Kontrovers ist das vor allem deshalb, weil der Europäische Gerichtshof (EUGH) vor über zweieinhalb Jahren RX-Boni für EU-Versandapotheken erlaubt hat. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat vor ca. zwei Wochen aber Werbezugaben deutscher Apotheken wie Taschentücher oder Lutschbonbons als wettbewerbswidrig in Bezug auf RX-Präparate angesehen. Kordula Schulz-Asche von den Grünen forderte auf dem 12. BVDVA-Kongress die Bundesregierung dazu auf, die Benachteiligung inländischer gegenüber ausländischen Apotheken zu beenden und für alle am Apothekenmarkt Beteiligten begrenzte Boni zu erlauben.


 


Andere Ergebnisse aus dem Monitor geben dem Verband Rückendeckung: 68% der befragten Deutschen befürworten den Versandhandel und rund 80% denken, dass der Arzneimittelversand die pharmazeutische Versorgung außerhalb der Ballungszentren erleichtert. Bereits über die Hälfte der Verbraucher kaufen ihre Arzneimittel online. 16% der befragten Personen sind noch nicht darauf gekommen, in einer Online-bzw. Versand-Apotheke zu bestellen. Die Nutzerzahlen werden sich wohl weiter steigern, wenn sich Lieferzeiten verkürzen, die Kundenberatung über Hotlines oder Chats stärker genutzt wird und sich die Rezepteinreichung durch das eRezept vereinfacht.


 


Dabei haben 50% noch nie etwas vom eRezept gehört. Jedem Dritten ist zumindest der Begriff geläufig, aber nur 14% der Befragten können erläutern, worum es bei dem eRezept geht. Nach einer Hintergrunderläuterung in der Umfrage würden 57% das elektronische Rezept dem Papier-Rezept vorziehen.


 


Buse findet, dass "die Bürger und Versandapotheken bereit für mehr Digitalisierung und fairen Wettbewerb sind. Doch das Festhalten an alten Schemata scheint heute wichtiger zu sein, als ein nachhaltiges Gesundheitssystem zu schaffen. Veränderung ist angesagt, doch fehlt hierzu anscheinend der Mut – zum Nachteil der Patienten."


 


Über die Umfrage "Monitor Online-Health":
Die vom BVDVA in Auftrag gegebene Umfrage wurde von EARSandEYES im April 2019 durchgeführt. Interviewt wurden online 1.000 erwachsene, in Deutschland lebende Personen.

28.06.19

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