Aktuelle Umfrage zeigt: In Apotheken fehlt das Fachpersonal

apokix

Häufig bleiben Stellen in Apotheken offen. Denn der Personalbedarf wächst, Fachkräfte fluktuieren und es fehlt an Bewerber:innen. Der neue Apothekenkonjunkturindex offenbart, dass es sich als besonders problematisch erweist, Vollzeitstellen und Führungspositionen zu besetzen.

Die Stimmung unter Apothekerinnen und Apothekern ist zwiegespalten. Einerseits beurteilt gut ein Drittel von ihnen die aktuelle Geschäftslage im Juni als eher positiv (31 %) oder sogar sehr positiv (4 %). Das verdeutlichen die Ergebnisse des Apothekenkonjunkturindex APOkix des IFH KÖLN. Die Konjunkturindizes zur Geschäftslage und -entwicklung legen deutlich zu – erstmals seit sechs Monaten wieder.
Der Konjunkturindex zur aktuellen Geschäftslage steigt um 22,4 Punkte auf 112,7 Punkte im Juni. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichnet er ein Plus von 20,4 Punkten. Auch der Konjunkturindex für die erwartete Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten wächst und liegt mit einem Plus von 14,0 Punkten im Juni bei 66,4 Punkten. Verglichen mit Juni 2021 entspricht dies einem Plus von 0,7 Punkten.
Andererseits wird offensichtlich, dass in vielen deutschen Apotheken Stellen derzeit unbesetzt bleiben. Vor allem offene Approbierten- und PTA-Stellen konnten im vergangenen Jahr häufig nicht besetzt werden. Als kompliziert präsentiert sich insbesondere die Situation für Vollzeitstellen und Führungspositionen.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick:
• Jeweils 47 % der Befragten haben in den vergangenen 12 Monaten nach approbierten Apotheker:innen und PTA gesucht und konnten nicht alle oder keine Stellen besetzen.
• 20 % der suchenden Apotheken konnten alle offenen Approbierten-Stellen besetzen – bei den PTA liegt die Quote bei 32 %.
• Jeweils 44 % der befragten Apothekeninhaber:innen haben derzeit Approbierten-Stellen bzw. PTA-Stellen ausgeschrieben.
• 46 % sind aufgrund von wachsendem Personalbedarf auf der Suche nach neuen Mitarbeiter:innen.
• 78 % haben große Schwierigkeiten damit, qualifiziertes Personal für Leitungs- oder Führungspositionen zu finden.
• Für 82 % erweist sich insbesondere die Besetzung ausgeschriebener Vollzeitstellen als problematisch.

Warum fehlt Apothekenpersonal? Die Gründe im Überblick:
• Fast jede:r zweite befragte Apothekeninhaber:in (46 %) nennt hier den wachsenden Personalbedarf.
• Personalfluktuation durch Abwanderung oder Verringerung der Arbeitszeit (33 %)
• Abwanderung zu einer anderen Apotheke (28 %)
• Personal ist in Rente gegangen (26 %)
• Personal ist abgewandert, um außerhalb von Vor-Ort-Apotheken zu arbeiten (23%)
• Drei Viertel der Befragten (74 %) sind der Meinung, dass offene Stellen unbesetzt bleiben, da es insgesamt an Bewerbungen mangelt.

Die Zukunft des Apothekenpersonals
Die große Mehrheit der Befragten (80 %) ist sich einig: In den kommenden zwei bis drei Jahren wird sich die Lage weiter verschärfen und es wird zunehmend schwieriger werden, geeignetes Apothekenpersonal zu finden. Mit hinein spielt dabei auch: Die Lohnvorstellungen potenzieller Bewerber:innen sind in den letzten ein bis zwei Jahren deutlich gestiegen, bestätigen 64 % der Teilnehmenden voll und ganz. Vollzeit- und Führungspositionen bleiben dabei eine besondere Herausforderung. Bereits jetzt liegt die Teilzeitbeschäftigungsquote in deutschen Apotheken bei fast 60 Prozent.
Die Umfrage beleuchtet auch Lösungsansätze für das benannte Problem: Das Schulgeld an PTA-Schulen sollte bundesweit abgeschafft werden, damit mehr Schulabsolventen diese Ausbildung wählen. Um dem Nachwuchsmangel in Apotheken entgegenzuwirken, sollten die entsprechenden Berufsbilder von den Standesvertretungen stärker beworben werden. Es sollten mehr Pharmaziestudienplätze und -standorte sowie mehr PTA-Schulen und -Schulplätze geschaffen werden. Und letztlich könnte dem Fachkräftemangel sinnvoll begegnet werden, wenn die Apothekenhonorierung höhere Gehälter für die Angestellten erlauben würde.

Über den APOkix
Der Apothekenkonjunkturindex APOkix des IFH KÖLN ist das Stimmungsbarometer im deutschen Apothekenmarkt. In den monatlichen Onlinebefragungen werden Apothekeninhaber:innen zur Einschätzung ihrer aktuellen und erwarteten Umsatzlage befragt. Für den APOkix im Juni wurden im Zeitraum vom 13.06.2022 bis zum 27.06.2022 insgesamt 253 Apothekeninhaber:innen online befragt. Die APOkix-Teilnehmer:innen stammen aus dem gesamten Bundesgebiet und repräsentieren sowohl größere als auch kleinere Apotheken, wie auch Apotheken in städtischen und ländlichen Gebieten. Die Zusatzfrage in diesem Monat beschäftigte sich mit dem Apothekenpersonal. Der APOkix wird unterstützt von der NOWEDA eG Apothekergenossenschaft und dem Deutschen Apotheker Verlag.

Die aktuellen APOkix-Ergebnisse können im IFH Shop kostenfrei heruntergeladen werden.
Verlinkung:
https://www.ifhkoeln.de/produkt/apokix-juni-2022/

 



Foto: APOkix Juni 2022, IFH KÖLN 2022; PM 05-07-2022

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