Gewachsener Marktanteil bei Biopharmazeutika

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Der aktuelle Biotech-Report bescheinigt Biopharmazeutika für 2021 ein Wachstum in Sachen Umsatz- und Marktanteil. Eine besondere Chance bieten dabei die neuen Wirkstoffe im Kampf gegen seltene Krankheiten. Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Digitalisierung, die bei seltenen Erkrankungen mittlerweile eine große Rolle spielt. Konkretes Beispiel: Haemoassist® bei Hämophilie.

Das Segment der Biopharmazeutika hat 2021 im deutschen Markt ein Wachstum verzeichnet. Das gilt für mehrere Bereiche. Der Umsatz mit Biopharmazeutika erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 10,2% auf 16,1 Mrd. Euro. Der Anteil dieses Umsatzes am Gesamtpharmamarkt stieg leicht von 30,8% auf 31,4 %, so ein Fazit im Branchenreport „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2022" von Boston Consulting Group im Auftrag von vfa bio. Diesem zufolge entfallen 46% der Neuzulassungen in Europa auf Biopharmazeutika. Der Trend dürfte sich fortsetzen, da sich knapp 700 neue Wirkstoffe in Phase I, II und III befinden.
Gewachsen ist auch die Zahl der Mitarbeitenden in biopharmazeutischen Unternehmen: 45.700 Beschäftigte arbeiteten hier 2021, im Vorjahr waren es 44.600. Besonders deutlich zeigt sich die Zunahme im Zehn-Jahres-Vergleich: 2011 waren es noch 28.100.

Chance für Behandlung seltener Krankheiten
Eine besondere Chance sind die biopharmazeutischen Medikamente - nämlich für die Behandlung von Menschen mit seltenen Erkrankungen, für die es lange Zeit gar keine Therapieoptionen gab. Der Report gibt exemplarische Einblicke, was die medizinische Biotechnologie voraussichtlich in den kommenden Jahren für Menschen mit seltenen Krankheiten erreichen kann: So könnten im Labor gentechnisch veränderte T-Zellen bald nicht nur bestimmte Lymphome und Leukämien, sondern auch solide Tumore wie das Synovialsarkom bekämpfen. Antikörper, die gezielt Komponenten des Immunsystems stilllegen, dürften eine Behandlung von Autoimmunkrankheiten wie der Kälteagglutinin-Krankheit oder der Myastenia Gravis (einer Muskelschwäche) ermöglichen. Mit Gentherapien lassen sich voraussichtlich einige schwere Sehstörungen wie die Retinitis pigmentosa lindern.

Ein anderer Aspekt ist die "Bedeutung der Digitalisierung für seltene Erkrankungen":
Im Report wird ein konkretes Beispiel genannt, die App Haemoassist® 2 für Patienten mit Hämophilie – einer X-chromosomalen Erbkrankheit, von der deshalb hauptsächlich Männer betroffen sind.
Dazu wird nachfolgend detailliert ausgeführt:
Bei den Betroffenen ist die Blutgerinnung aufgrund des Fehlens oder mangelnder Aktivität der Blutgerinnungsfaktoren FVIII (Hämophilie A) oder FIX (Hämophilie B) gestört. Die Symptome reichen von spontanen über dauerhafte bis hin zu lebensgefährlichen Blutungen. In Deutschland leben rund 6.000 Menschen mit einer Hämophilie. Anders als in früheren Zeiten können die Betroffenen heute durch eine regelmäßige Gerinnungsfaktorinfusion trotz ihrer Erkrankung ein weitgehend normales und uneingeschränktes Leben führen. Insbesondere die Einführung der ärztlich kontrollierten Heimselbstbehandlung war ein großer Fortschritt im Hinblick auf die Lebensqualität der Patienten. Der notwendige Besuch eines Behandlungszentrums zur Faktorinfusion entfällt, was gerade bei prophylaktischer Behandlung mit zwei bis drei Infusionen pro Woche eine immense Erleichterung darstellt.

Jedoch müssen die behandelnden Ärzt:innen den Gerinnungsfaktorverbrauch ihrer Patienten dokumentieren. In der Praxis führen daher die Patienten ein Behandlungstagebuch, in das sie jede Gerinnungsfaktorinfusion sowie auftretende Blutungen eintragen. Früher erfolgte diese Dokumentation handschriftlich. In den letzten Jahren ersetzen jedoch immer mehr Hämophiliepatienten das papierbasierte Tagebuch durch eine Smartphone-Applikation (App) wie Haemoassist®:

  •  Gemäß einer Studie des Hämophiliezentrums Bonn stieg die Protokollierungsrate bei der Blutungsdokumentation von 68% auf 84% (p = 0,01). Zeitgleich nahm die Therapietreue, ermittelt anhand der dokumentierten Einhaltung des ärztlichen Prophylaxeregimes, bei den Teilnehmern von 65% auf 86% zu (p = 0,003).

  •  Eine Erinnerungsfunktion weist den Patienten auf die nächste Infusion hin.

  •  Die App geht über das einfache Dokumentieren des Verbrauchs hinaus und erlaubt auch die Erfassung von Blutungen – inklusive des Abspeicherns von Bildern der Blutung.

  •  Die Chargennummer des Medikaments lässt sich einfach über ein Handyfoto der Verpackung importieren.

  •  Ein digitales Tagebuch kann weder zu Hause vergessen werden noch versehentlich verloren gehen.

  •  Die Daten werden in einer sicheren, datenschutzkonformen Datenbank gespeichert und lassen sich schnell und einfach übermitteln – Lese- oder Abschreibfehler werden vermieden.



Neben der App für die betroffenen Patienten gehören zu Haemoassist® auch Websites für die behandelnden Ärzt:innen bzw. das entsprechende Hämophiliezentrum und für verantwortliche Apotheker:innen, d. h., neben dem Patienten können auch andere Beteiligte im Rahmen ihrer jeweiligen Berechtigungen Zugriff auf die gesicherten Daten in Echtzeit nehmen. Somit verbindet die App alle relevanten Beteiligten miteinander. Dieser "Beyond-the-pill"-Ansatz spielt gerade bei seltenen Krankheiten eine wichtige Rolle, um die Betroffenen ergänzend und zielgerichtet betreuen zu können.
Im Report wird betont, dass "die forschenden Pharma- und Biotech-Unternehmen sich nicht nur als Medikamentenlieferanten, sondern auch als Anbieter von umfassenden Lösungen – von der Diagnose bis zur optimalen Behandlung verstehen."

Der Report zum Download:
https://www.vfa-bio.de/vb-de/vb-presse/vb-publikationen

Grafik: vfa bio; PM 06-13-2022-Biopharmazeutika

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