Deutsche Forscher wollen Medizin mit Nukleinsäure-Wirkstoffen personalisieren

RNA-Chemie: Arbeiten in der Carell Group

Was mit den Corona-Impfstoffen groß geworden ist, soll nun ausgebaut werden: Therapeutika und Vakzine auf RNA-Basis. Ein neues Forschungsnetzwerk von LMU und TUM wird die Entwicklung von Wirkstoffen der nächsten Generation vorantreiben.

Welches Potenzial die RNA-Technologie in der Medizin birgt, haben die Corona-Impfstoffe eindrücklich gezeigt. Erst die Pandemie hat der Entwicklung den entscheidenden Schub gegeben. Diesen möchten Forschende von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und der Technischen Universität München (TUM) nutzen. Sie bauen ein Zukunftscluster zur Erforschung und Entwicklung RNA-basierter Therapeutika auf. Sie gelten als Wirkstoffe der nächsten Generation – schwer oder nicht therapierbare Erkrankungen sollen damit künftig behandelt werden. Beispielsweise in der Krebstherapie gelten sie als vielversprechend, aber auch zur Behandlung von Erbkrankheiten oder durch Pilze ausgelöste Krankheiten. Bereits zugelassen sind Medikamente auf Basis von RNA gegen Hypercholesterolämie und Dyslipidämien oder spezielle Beschwerden bei Transthyretin-Amyloidose.
Neue Behandlungsansätze durch RNA-Therapeutika
Bislang standen der Medikamentenentwicklung vor allem das Einschleusen der Nukleinsäuren sowie deren Stabilisierung im Weg. Neueste Entdeckungen lassen nun hoffen, dass sich mit der Möglichkeit, Nukleinsäuren hochspezifisch und theoretisch vorhersagbar designen zu können, in der Medizin ganz neue Therapieansätze eröffnen. Es gebe keine Substanzklasse, die besser zur personalisierten Medizin passt als Nukleinsäuren, sagen die Forscher. Das Zukunftscluster möchte den Nukleinsäure-Therapien auf breiter Front zum Durchbruch verhelfen.
Dafür haben sie den Zuschlag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bekommen. Das „Cluster for Nucleic Acid Therapeutics Munich" (C-NATM), ein Innovationsnetzwerk aus Wissenschaft und Wirtschaft, wird mit jährlich fünf Millionen Euro vom Bund, zum Teil auch vom Freistaat und beteiligten Unternehmen gefördert. Der Zusammenschluss soll Grundlagenforschung mit Pharmaunternehmen und Start-ups in der Region München zusammenbringen.
„Aktuell hat Deutschland mit der Entwicklung der ersten mRNA-Vakzine einen kleinen Vorsprung in der mRNA-Vakzinentwicklung", sagt C-NATM-Sprecher Thomas Carell, Leiter des Instituts für Chemische Epigenetik der LMU. „Mit diesem neuen Cluster können wir dazu beizutragen, den Vorsprung zu halten oder gar auszubauen. Im Verbund mit Industriepartnern wird C-NATM einen hochinnovativen und weltweit führenden industriellen Schwerpunkt auf dem Gebiet der Nukleinsäure-Therapeutika etablieren."


PM 07-26-2022-Nukleinsaeure; Foto: RNA-Chemie: Arbeiten in der Carell Group, Credit: LMU

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