VCI: Forschungsetats wachsen nicht mehr

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Thomas Wessel, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im Verband der Chemischen Industrie (VCI), sieht die "Gefahr, dass der langfristige positive Trend bei den Forschungsausgaben nicht fortgesetzt wird, denn der Innovationsstandort Deutschland büßt weiter an Attraktivität ein." Und: Der Druck auf die Innovationsausgaben steigt laut VCI weiter.

Laut aktueller VCI-Mitgliederumfrage bewerten 65% der Unternehmen die politischen Rahmenbedingungen für Forschung als negativ oder sehr negativ für ihre Innovationstätigkeit. Dabei könne die chemisch-pharmazeutische Industrie wichtige Beiträge leisten, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen - in der Energieforschung, bei neuen Materialien, in der Katalyse oder im Bereich Gesundheit und Biotechnologie.

Im vergangenen Jahrzehnt stiegen die Forschungsetats der Branche durchschnittlich um 5% pro Jahr. Seit 2020 ist dieser Trend wegen der Pandemie und des Krieges in der Ukraine gestoppt. Die Branche investierte 2021 rund 13,2 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung (FuE). Die Unternehmen konnten zwar verschobene Projekte nachholen; das Niveau des Jahres 2019 wurde aber noch nicht wieder erreicht.

Mit besonderer Skepsis sieht der VCI die Flucht des Staates aus FuE-Projekten mit Industriebeteiligung. Lag der staatliche Anteil 1995 noch bei 10,2%, waren es 2019 nur noch 3,2%. Im internationalen Ranking liegt Deutschland mit dieser Zurückhaltung auf einem der hinteren Plätze. Hintergrund ist, dass es kapitalintensive und risikoreiche Forschungsprojekte gebe, die die Möglichkeiten einzelner Unternehmen übersteigen. Für solche kapitalintensiven Projekte sollte der Staat einen Teil des Risikos tragen, indem er die staatlichen Fördermittel zu einem höheren Anteil als bisher für Verbundprojekte mit Industriebeteiligung ausgibt.

Dabei finanziert die Wirtschaft seit vielen Jahren den Löwenanteil der Forschungsausgaben in Deutschland, betont der Verband: Über zwei Drittel der Forschungskosten werden von den Unternehmen getragen - weniger als ein Drittel vom Staat. Der Chemieverband fordert vom Staat, dass er sich mehr engagiert, damit künftig 3,5% des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung ausgegeben werden.

Als Bremsklotz sieht jede dritte Firma aus der Branche in den Genehmigungsverfahren für ihre Forschungsprojekte. Um zukunftsträchtige Wertschöpfung am Industriestandort Deutschland zu ermöglichen, müssten die Unternehmen ihre Forschungsprojekte jedoch zügig in innovationsreife Produktion umsetzen können. Schließlich wolle die Branche klimaneutral und gleichzeitig unabhängig von russischem Gas werden. Doch bei vielen Forschungsprojekten fordern Behörden häufig ein förmliches Genehmigungsverfahren nach Bundes-Immissionsschutzgesetz - oft mit ungewissem Ausgang. Als Lösung schlägt der VCI einen Genehmigungsprozess für Pilot- und Demonstrationsanlagen vor, bei dem die Beteiligung der Öffentlichkeit reduziert wird. Auch sollte mit der Politik geklärt werden, was Verfahren von "öffentlichem Interesse" sind.

Wessel legt noch nach: "Zudem bremsen hausgemachte Probleme den Innovationsprozess in Deutschland dauerhaft aus. Eine Abwanderung von Forschungstätigkeit aufgrund schlechter Standortbedingungen ins Ausland muss die Politik verhindern, will Deutschland im Wettlauf um Forschungserfolge vorn bleiben und Wertschöpfungspotenziale nicht verspielen."


Grafik: VCI; PM 08-18-2022

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