Coronavirus verzögert Einführung neuer Medikamente

Foto: Website Jefferies

Laut einer Analyse von Jefferies Global Research & Strategy bleibt die europäische Pharmaindustrie von den Auswirkungen der Coroavirus-Pandemie nicht unverschont. Vor allem die Einführung neuer Medikamente gegen Krebs, HIV und Sichelzellkrankheit sollen davon betroffen sein.

In der Analyse wird Rybelsus (Semaglutide), ein erstes orales GLP-1-Medikament gegen Typ-2-Diabetes, genannt. Das Medikament wurden von der FDA am 22.9.2019 genehmigt und erhielt am 31.1.2020 eine Zulassungsempfehlung des CHMP. Das Marktvolumen des Mittels wird auf 524 Mio. US-Dollar geschätzt.

Betroffen soll auch Calquence (Acalabrutinib) zur Behandlung von chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) von AstraZeneca sein. Das Medikament erhielt die FDA-Zulassung für diese Behandlung am 22.11.2019, am 31.10.2017 hatte es bereits die Zulassung für die Behandlung bei Mantelzelllymphom (MCL) erhalten. Am 10.12.2019 hatte AstraZeneca Ergebnisse aus der Zwischenanalyse der Phase-III-Studie ELEVATE TN vorgelegt, wonach Calquence in Kombination mit Obinutuzumab oder als Monotherapie das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zu Chlorambucil plus Obinutuzumab, einer Standard-Chemotherapie zur Immuntherapie, bei Patienten mit zuvor unbehandelter CLL signifikant verbessert hat.


Weiterhin werden Verzögerungen in der Zulassung einer weiteren Indikation für Lynparza (Olaparib) ebenfalls von AstraZeneca erwartet. Der PARP-Hemmer (Poly[Adenosindiphosphat Ribose]-Polymerase-Hemmer) war ursprünglich zur Behandlung von Eierstockkrebs und BRCA-mutiertem Brustkrebs zugelassen und erhielt dafür von der FDA 2016 den Breakthrough-Status. Im Dezember 2019 legte AstraZeneca positive Ergebnisse der Phase-III-Studie PROfound für die Wirksamkeit gegen fortgeschrittenen Prostatakrebs vor.


Verzögerungen durch nicht stattfindende Meeting des Advisory Boards könnte sich auch auf Risdiplam zur Behandlung der erblichen Muskelkrankheit spinale Muskelatrophie (SMA) von Roche auswirken. Die EMA hat dem Medikament den PRIME-Status erteilt. Am 23.1.2020 wurden die Ergebnisse der FIREFISH Studie präsentiert. Auch die FDA hat im November die Zusage für eine beschleunigte Überprüfung des Zulassungsantrages zugesagt.


Betroffen könne auch die Zulassungserweiterung von Trelegy Ellipta, eine Dreifachkombination mit Fluticason, Umeclidinum und Vilanterol, sein. Das Arzneimittel von GSK war bisher für die Behandlung der moderaten bis schweren chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zugelassen. Anfang 2020 wurde bei der EMA die Zulassungserweiterung auch für die Indikation Asthma beantragt.


Jefferies stellen fest, dass es bereits mehrere Anzeichen dafür gebe, dass in verschiedenen Fällen klinische Studien unterbrochen wurden. Auch im Rekrutieren von Teilnehmern für Phase-1 Studien, vor allem in Italien und China.


Die Analysten vermuten, dass die großen europäischen Pharmaunternehmen durch den Coronavirus eine Verminderung von 1% pro Aktie hinnehmen werden müssen.

Quelle: Pharmaforum, Gelbe Liste, DrugBase, G-BA, Apotheke adhoc; Foto: Website Jefferies; PM 18.3.2020

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