Douglas bietet Arzneimittel an: Ist das legal?

Douglas

Über Douglas lassen sich OTC-Marken und Apothekenkosmetik ordern – seit die Parfümeriekette gemeinsame Sache mit einer Versandapotheke macht. Zwei Rechtsfragen sind allerdings nach wie vor kritisch. Und betroffene Hersteller reagieren sehr unterschiedlich.

Die Drogeriekette Douglas rührt gerade massiv die Werbetrommel. Vor allem in den sozialen Netzwerken finden sich Banner für das neue Angebot „Apotheken-Produkte von unserem Apotheken-Partner". Denn Douglas hat die niederländische Versandapotheke „Disapo.de" übernommen. Seither gehören Arzneimittel zum Standardsortiment. Die Apothekenmarken sind auf der Plattform der Parfümeriekette integriert.
Ob das Angebot überhaupt legal ist, fragt sich die „Pharmazeutische Zeitung" und konsultiert Rechtsexperten. Zwei Punkte sind tatsächlich kritisch, aber nicht eindeutig rechtswidrig. Denn Douglas verweist an mehreren Stellen darauf, dass die Kundschaft die Geschäftsbeziehung mit „Disapo.de" eingeht.

Zwei kritische rechtliche Aspekte

Der erste Punkt betrifft eine mögliche Irreführung der Verbraucher. Irreführende Werbeangebote sind im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) untersagt. Christiane Köber, Rechtsexpertin der Wettbewerbszentrale, sieht im Fall von Douglas keine klare Ausgangslage. Zwar komme eine Verletzung des UWG in Betracht. Aber es sei fraglich, wer worüber getäuscht werde. Douglas mache durch die hochgestellte 1 Verbraucher darauf aufmerksam, dass der Begriff „Apotheke" erläutert werde. Und Douglas weise darauf hin, wenn auch nicht im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang, dass selbst keine Apotheke betrieben werde, man keine apothekenpflichtigen Produkte abgebe und auch nicht pharmazeutisch beraten könne. Gleichzeitig wird auf die Partnerapotheke verwiesen. Köber hält ein Verfahren daher für „eher wenig erfolgversprechend". Richter gingen immer häufiger vom internetaffinen Verbraucher aus und legten generell das Leitbild des mündigen und verständigen Verbrauchers zugrunde.
Der zweite Punkt betrifft das EU-Versandhandelslogo. Dieses fehlt auf der Seite der Parfümeriekette. Das Zeichen für den sicheren Versandhandel müssen alle Online-Händler, die mit Arzneimitteln in der EU handeln, laut Arzneimittelgesetz (AMG) auf ihrer Seite anzeigen. Sie müssen dies auch gegenüber den zuständigen Behörden anzeigen. Die juristische Lage ist hier ebenfalls nicht eindeutig, weil laut Rechtsexpertin Köber erneut fraglich ist, ob Douglas die Arzneimittel anbietet oder lediglich eine Plattform für Dritte ist. Douglas hat diesen kritischen Aspekt jedoch aufgenommen. Eine Sprecherin sagt: „Douglas selbst betreibt keine Apotheke – wir prüfen aber derzeit, ob wir das EU-Versandhandelslogo dennoch auf unserer Seite integrieren müssen."

Betroffene Hersteller zeigen sich ablehnend bis positiv

Die Anbieter von OTC-Produkten und Apothekenkosmetik reagieren unterschiedlich auf das Angebot von Douglas. Beiersdorf ist mit der Marke Eucerin nun hierüber erhältlich. Dennoch sieht der Konzern seinen Schwerpunkt weiter in den stationären Apotheken, wie der Branchendienst „Apotheke-adhoc" berichtet. L'Oréal distanziert sich gar von Douglas. Die Parfümeriekette wirbt beispielsweise über soziale Netzwerke für das Angebot von La Roche-Posay und CeraVe. Alexander Freier, Geschäftsführer Vertrieb bei Cosmétique Active Deutschland betont, dass die Parfümeriekette keine Materialien zur Verkaufs- oder Beratungsunterstützung von dem französischen Konzern erhalte: „Auch nicht für die aktuell laufende Media-Kampagne. Unsere Marken sind im TV-Spot nicht integriert."
Durchaus Vorteile sieht man bei Pierre Fabre Dermo-Kosmetik. Als „zukunftsweisend" betrachtet Avène-Vertriebsleiter Joachim Zahradnik die Kooperation. Douglas sei mit der Übernahme von „Disapo.de" ein „weiterer Partner im Apothekenmarkt". Dass nun auch Douglas-Kund:innen zum Apothekenmarkt finden, werde den Bekanntheitsgrad der OTC-Marken weiter steigen.
Gänzlich positiv bewerten die OTC-Anbieter, die in der aktuellen Werbekampagne gezeigt werden, die Übernahme. Dazu gehört GSK Consumer Healthcare. Sie haben mit Douglas einen neuen und attraktiven Online-Vertriebskanal, etwa für die Marke Voltaren, hinzugewonnen.

 

Foto: Screenshot Website Douglas; PM 20-06-2022

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