Die Zukunft von Wearables liegt in der Medizin

Foto: AOK-Mediendienst

Wearable Technology und Medizinprodukte sind eine Kombination, die sich vorteilhaft ergänzen. So können am Körper platzierte Sensoren gesundheitsrelevante Daten erfassen und die damit verbundenen Kommunikationsmöglichkeiten öffnen das Tor zu digitalen Gesundheitsdaten. Bisher ist die Geschichte der Branche turbulent, sagt ein neuer Report. Es seien bereits Milliarden von US-Dollar in Tausende neuer Patente, Hunderte neuer Firmen und Tausende neuer Produkte geflossen.

Der Branchenbericht von IDTechEx enthält historische Daten und zehnjährige Marktprognosen für 48 verschiedene Produkttypen der Wearable Technology, darunter 20 Typen tragbarer Medizinprodukte. Dazu gehören eher traditionelle Medizinprodukte wie Hörgeräte, Herzgeräte (z.B. Holter-Monitore oder Event-Monitore) und Insulinpumpen, aber auch neuere Produkte wie z.B. Glukosemonitore (CGM) für Diabetiker, neue elektronische Hautpflaster und andere neue tragbare Medizinprodukte.


Diese Produkte steigerten den gemeinsamen Jahresumsatz im Zeitraum von 2010 bis 2019 um 10 Mrd. US-Dollar. Damit ist der Anteil der Wearables mit medizinischem Einsatz auf rund ein Drittel des Gesamtumsatzes tragbarer Produkte gewachsen. Dieser Gesamtumsatz an Wearables hat sich von 2014 bis 2019 auf 50 Mrd. US-Dollar fast verdoppelt.

Zu den gebräuchlichen Sensoroptionen in tragbaren Produkten gehören Bewegungsoptionen (z.B. zur Sturzerkennung oder Aktivitätscharakterisierung), Herzfrequenzüberwachung (für unterschiedliche Herzmetriken) bis hin zu weniger verbreiteten Optionen wie der Bestimmung der Körpertemperatur, der Erkennung bestimmter chemischer Analyten oder der Beurteilung physiologischer Reaktionen auf bestimmte Reize.

Tragbare Produkte können auch in der anderen Hälfte der Feedbackschleife ihren Beitrag leisten, sei es bei der Abgabe von Insulin an einen Typ-1-Diabetiker, bei der Benachrichtigung zu bestimmten Zeiten für die Einnahme von Medikamenten oder bei der direkten Anwendung von Behandlungen wie der elektrischen Stimulation.

Unternehmen versuchen nun verstärkt, die Daten anderer tragbarer Produkte für gesundheitsrelevante Szenarien zu nutzen, von Anreizen für gesunde Lebensweisen von Seiten der Krankenversicherungen über die Förderung der Früherkennung bestimmter Erkrankungen bis hin zur Datenerfassung für klinische Studien. Dazu werden derzeit vor allem Smartwatches eingesetzt, weil bestimmte Produkte hier bereits einen begrenzten Status als Medizinprodukt erreicht haben. Beispielsweise erhielt die Apple Watch 4 die FDA-Zulassung für bestimmte Funktionen der Herzüberwachung.

IDTechEx macht als neuesten Trend den der Smart Clothes aus. Zwar werde in dieser Branche seit über einem Jahrzehnt entwickelt, dennoch stecke sie noch in den Kinderschuhen. Viele der wichtigsten Produzenten in diesem Bereich wenden sich mittlerweile zunehmend medizinischen und gesundheitlichen Anwendungen ihrer E-Textilien zu.
Beispielsweise arbeitet der kanadische Pionier Myant mit unterschiedlichen Akteuren (darunter Mayo Clinic und ZOLL) zusammen, um für seine Smart Clothing-Produkte die FDA-Zulassung zu erhalten. Diese Produkte enthalten Funktionen wie Vitalparameter-Überwachung (Herzfrequenz, Atemfrequenz und möglicherweise sogar Blutdruck), elektrische Muskelstimulation (EMS) und Wärme bei Verletzungen, Integration chemischer Sensoren und mehr.

Die Zukunft tragbarer Produkte prognostiziert der Report in der Überwachung bestimmter Gesundheitszustände über einen bestimmten Zeitraum hinweg, besonders dann, wenn das Sensorgerät Kontakt mit dem Körper erfordert. Er weist auch auf das Potenzial der Fernüberwachung mehrerer Krankheiten hin. Es gebe „viele Beispiele von Unternehmen, die auf die Fernüberwachung bestimmter Gesundheitszustände drängen, und solche Projekte werden von einigen Technologieunternehmen gezielt finanziert".

Quelle: IDTechEx, Wearable Technology Forecasts 2019-2029; Foto: AOK-Mediendienst; PM 4.9.2019

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