Was Pharmamanager von der Digitalisierung der Gesundheit erwarten

Quelle: PwC

Laut einer Umfrage erwarten Pharmamanager Zuwächse in den Bereichen Prävention, Diagnostik und digitale Gesundheit. Die um 27,5% niedrigeren Ausgaben pro Patient stellen die Geschäftsmodelle der Pharmaunternehmen vor neue Herausforderungen. Getragen wird das auch durch die schnell wachsende Konkurrenz von in den Gesundheitssektor strebenden Technologiefirmen.

Der Einzug digitaler Technologien in den Healthcare-Bereich stellt die Pharmabranche vor grosse Herausforderungen: Eine aktuelle Umfrage von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, unter 120 Managern der weltweit grössten Pharmaunternehmen prognostiziert einen Zuwachs des globalen Healthcare-Marktvolumens um 10%, von 10,6 Brd. US-Dollar 2018 auf 11,6 Brd. US-Dollar bis 2030. Die befragten Pharmaführungskräfte erwarten im Vergleich zu 2018 vor allem in den Bereichen Diagnostik (+524%), Prävention (+244%) und digitale Gesundheit (+205%) bis 2030 massive Ausgabenverschiebungen.

Allerdings wird auf Grund des künftig stark wachsenden Anteils der Bevölkerung mit Zugang zur Gesundheitsversorgung ein Rückgang der Ausgaben pro Patient um 27,5% erwartet. Der Anteil der medizinischen Versorgung an den Gesamtausgaben im Healthcare-Sektor wird dagegen um fast 16% schrumpfen. Dies entspricht einem Rückgang von rund 1,2 Brd. US-Dollar auf der globalen Ebene bis 2030.


Auf dieser Basis könnten innerhalb der nächsten Dekade die operativen Nettomargen in der Pharmaindustrie von aktuell 25% signifikant abfallen. „Im Rahmen unserer Befragung erwarten die Gesundheitsmanager unsichere Zeiten für ihr derzeitiges Geschäftsmodell. Die traditionellen Pharmakonzerne müssen entweder sehr viel effizienter werden, um ihre Margen zu halten, oder sie investieren gezielt in Wachstumsfelder wie Diagnostik, Prävention und Digital Health-Lösungen. Hierfür sind schnelle strategische Entscheidungen gefragt, nachdem Tech-Unternehmen bereits seit einigen Jahren stark in den Markt drängen und an digitalen Angeboten arbeiten. Allein die Zahl der Partnerschaften, Zukäufe und Ventures grosser Player wie Amazon, Alphabet, Apple, Alibaba und Tencent hat sich im Healthcare-Sektor zwischen 2014 und heute verzwölffacht. Zudem halten diese Unternehmen mittlerweile mehr als 6000 gesundheitsbezogene Patente", beschreibt Dr. Thomas Solbach, Partner bei Strategy& Deutschland und Hauptautor der Studie, die Situation.


Unter den befragten Pharmamanagern ist sich die grosse Mehrheit sicher, dass der Wandel für die eigene Branche unmittelbar bevorsteht. 96% stimmen der Aussage zu, dass das Gesundheitswesen künftig den informierten und selbstbestimmten Menschen in den Mittelpunkt stellt sowie auf präventive, personalisierte und in den Alltag integrierte digitale Angebote setzen wird. Krankheiten werden damit nur noch teilweise behandelt, weil sie durch den Fokus auf Präventionsmassnahmen gar nicht oder erst weitaus später entstehen. Dieses neue Ökosystem wird sich nach Ansicht der Manager auf Basis innovativer Organisations- und Geschäftsmodelle und veränderten regulatorischen Anforderungen entwickeln. 68% der Teilnehmer an der Umfrage erwarten, dass diese Zukunftsvision bis spätestens 2030 zur neuen Normalität wird. 75% erkennen darin eine Chance für ihre Unternehmen, sofern die Pharmabranche dazu bereit ist, den Umbruch aktiv und umfassend zu gestalten. Bislang verfolgen allerdings erst 25% einen ganzheitlichen strategischen Ansatz, um sich diesen Herausforderungen zu stellen.


Die befragten Pharmamanager sehen Technologieunternehmen als Treiber des Wandels, wohingegen Regulatoren eindeutig als Bremser bewertet werden. Von ihren eigenen Organisationen zeichnen die Befragten ein zwiespältiges Bild: So betrachten sie vor allem den Aufbau eines digitalen Bewusstseins sowie einer entsprechenden Unternehmenskultur als grösste interne Herausforderung (70%), gefolgt von der Entwicklung aktuell noch fehlender Kompetenzen (47%) und der Überwindung struktureller Hemmnisse (35%). Extern bereiten vor allem regulatorische und gesetzliche Hürden die grössten Sorgen (71%), noch vor der Frage nach der Verfügbarkeit und den Zugriffsrechten auf notwendige Datensets (37%) sowie ethischen Belangen (22%).

Quelle: Future of Health-Studie von Strategy&, der Strategieberatung von PwC; PM 5.7.2019

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