Erkennen potenziell disruptiver Technologien: Es kommt auf den „Mindset“ an

Foto: Titel der Praxisstudie Disruption Wie identifizieren Unternehmen disruptive Technologien? Wie bewerten, entwickeln und realisieren sie diese? Eine Befragung von 86 Unternehmen unterschiedlicher Branchen gibt Einblicke.

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO hat die Befragung durchgeführt. Das Institut formuliert: „Disruptive Innovationen entstehen, wenn existierende Marktstrukturen nicht fähig sind, neue Entwicklungen erfolgreich umzusetzen. Treiber für disruptive Innovationen stellen häufig Entwicklungen sogenannter potenziell disruptiver Technologien dar." An andere Stelle gibt das Institut eine Definition „im unternehmerischen Kontext": „Innovation, die Refernzlösungen im Markt substituiert und Investitionen beherrschender Marktteilnehmer obsolet macht und darauf basierend die Machtverhältnisse im Markt grundlegend verändert." Bei solchen Erklärungen darf man sich nicht wundern, wenn niemand mehr durch blickt.

Vielleicht so: Disruptive Innovationen bringen Durchbruch und Zerstörung. Disruptive Innovationen oder Technologien sorgen für radikale Veränderungen. Beispiel: Die analoge wurde durch die digitale Fotografie abgelöst, Firmen wie Kodak, Agfa oder Leica verloren ihre Rolle im Markt.

Bewertung disruptiver Technologien
Die große Frage ist, ob Disruption in Unternehmen überhaupt gemanaged werden kann. Das Institut betont, „dass Glück oder Buchgefühl sowie ein geschicktes Timing eine wesentliche Rolle im Management disruptiver Innovationen spielen können". Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass marktorientierte Unternehmensbereiche wie Vertrieb und Marketing erstaunlicherweise eine eher zurückhaltende Rolle bei der Identifikation einnehmen. Zudem findet die Suche nach Neuem bei 51,4% eher sporadisch und ohne formalisierte Prozesse statt. Dort, wo diese existieren, schauen über Hälfte der Unternehmen nur selten über den eigenen Tellerrand, sprich sie beschränken sich bei der Suche nach Neuem auf ihre Themenfelder und ihre Branche. Bei der Bewertung von Technologien entscheidet zu 71,8% der befragten Unternehmen die Geschäftsleitung, was relevant für das Unternehmen ist und auch, was in der Folge entwickelt und umgesetzt wird.

Als Bewertungskriterien dienen vor allem Anwendbarkeit der disruptiven Technologie (64,5%), Risiko (62,9%), Weiterentwicklungspotenzial (51,6%), Reifegrad (48,4%), Anwendungsbreite (45,2%) und Kostenstruktur (41,9%).


Raum und Mindset für Technologievorausschau schaffen
Die größten Herausforderungen sehen die befragten Unternehmen darin, die Entwicklung potenziell disruptiver Technologien mit der Strategie in Einklang zu bringen, Ressourcen dafür aufzubringen sowie die eigenen Strukturen und Prozesse schnell und flexibel anzupassen. Besonders erfolgreich sind Unternehmen, die das Thema »Foresight« ernst nehmen und strategisch verankert haben. Sie schaffen die organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen, um sowohl das Tagesgeschäft aufrecht halten zu können als auch gemeinsam mit einem Partnernetzwerk neue Technologien auszuprobieren und in die Anwendung zu bringen. Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Unternehmen, die bei der Entwicklung neuer Technologien die Anforderungen der Nutzer kennen und die Perspektive anderer, aktueller und potenzieller Marktteilnehmer einnehmen können.

Kein Wunder, dass die Entwicklung und Umsetzung potenziell disruptiver Technologien bei 64,4% der Unternehmen in der bestehenden Organisation erfolgt. Nur 13,3% erwägen die Gründung einer neuen Abteilung. Noch weniger denken an die Gründung eines neuen oder die Akquise eines bestehenden Unternehmens.

Quelle: Fraunhofer IAO, Praxisstudie Disruption; Foto: Titel der Studie; PM 21-2019-2


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