Arzneimittelstrategie für Europa: Sichere und wirksame Arzneimittel zugänglicher und preiswerter machen

Grafik: Website EU Martin Seychell, stellvertretender Generaldirektor für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, hat die Arzneimittelstrategie für Europa erklärt, die die Versorgung Europas mit sicheren, wirksamen und erschwinglichen Arzneimitteln gewährleisten und der pharmazeutischen Industrie ermöglichen soll, weiterhin innovativ und weltweit führend zu bleiben. Wie in der Industriestrategie für Europa vom 10. März 2020 betont, ziele die Strategie darauf ab, Arzneimittel verfügbar, bezahlbar, nachhaltig und lieferbar zu machen.

Seychell sagte, dass Gesundheit für alle an erster Stelle stehe, doch innerhalb der EU gebe es noch stets Unterschiede beim Zugang zu Arzneimitteln. Auch für die Mitgliedstaaten sei ein ausgewogenes Arzneimittelsystem ein wichtiges Anliegen, was sich in den Arbeiten des Europäischen Parlaments und des Rates zeige. In einigen Mitgliedstaaten könne es zu Engpässen bei bestimmten Arzneimitteln kommen. Auch würden für wichtige medizinische Bedürfnisse noch immer die richtigen Arzneimittel fehlen. Selbst wenn sie verfügbar sind, könnten manche EU-Länder und Patienten sie nicht bezahlen.

Seychell : „Diese Angelegenheit geht uns alle an: Versorgungsengpässe bei wichtigen Arzneimitteln können die Behandlungen von Patienten und damit die Gesundheitssicherheit in der gesamten EU beeinträchtigen. Wir brauchen eine ehrgeizige Arzneimittelstrategie, um diesen Herausforderungen wirksam begegnen zu können und zu gewährleisten, dass die Patienten die erforderliche Behandlung erhalten."


Hat die COVID-19-Pandemie diese Strategie beeinflusst?
Die Coronavirus-Pandemie sei ganz klar ein Schock für das System gewesen. Sie vergrößere das Risiko von Engpässen bei systemrelevanten Arzneimitteln erheblich. Das Arzneimittelsystem habe diesem Druck jedoch standhalten können. Durch die Pandemie wurden Themen hervorgehoben, die bereits bekannt waren, zum Beispiel die internationale Abhängigkeit von pharmazeutischen Inhaltsstoffen und Arzneimitteln aus Drittländern und das Fehlen einer wettbewerbsfähigen Chemieindustrie in Europa. Zwar würden Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit nach wie vor wichtige Prioritäten bleiben, doch unser System müsse in die Lage versetzt werden, rechtzeitig und kohärent auf Krisen wie die COVID-19-Pandemie zu reagieren. Man werde auf den Erfahrungen in der Umsetzungsphase der Strategie aufbauen, um unser System zu stärken.


Wie will die Kommission diese ehrgeizigen Ziele verwirklichen?
Aus der Arzneimittelstrategie werde ein starkes, effizientes und flexibles System hervorgehen. Es werde eine gezielte Überprüfung des bestehenden Rechtsrahmens und der bestehenden Strategien stattfinden, um sie krisen- und zukunftssicher zu machen.


Dabei würde nicht ganz von vorne begonnen werden, sondern auf laufenden Arbeiten aufgebaut, zum Beispiel auf der Überprüfung der Rechtsvorschriften zu Arzneimitteln für Kinder und seltene Krankheiten und auf Studien über Arzneimittelknappheit. Diese ganzheitliche Strategie umfasse das gesamte Wirtschaftssystem, von Forschung, Entwicklung und klinischen Prüfungen bis hin zu Regulierungsfragen, Wettbewerb, geistigem Eigentum und Anreizen. Dabei würden Synergien mit anderen Politikbereichen wie dem europäischen Plan zur Krebsbekämpfung, der Chemikalienstrategie und dem Grünen Deal gebildet werden. Mithilfe einer besseren Koordinierung könnten die bereits bestehenden Möglichkeiten genutzt werden.


Das Verfahren sei gerade erst angelaufen. Beiträge zur öffentlichen Konsultation könnten bis Anfang September eingereicht werden.
Die Arzneimittelstrategie will an vier Punkten ansetzen:
1. Es soll sichergestellt werden, dass neue Medikamente und Therapien Patienten in ganz Europa schnell und unter allen Umständen zur Verfügung stehen und es weniger Engpässe gebe.
2. Medikamente müssten erschwinglich sein und das Preis-Leistungs-Verhältnis (value for money) erhöht werden.
3. Die Vorteile der Digitalisierung sollten für Innovationen und Technologien genutzt werden, die die therapeutischen Bedürfnisse von Patienten erfüllen und gleichzeitig die Umweltbelastung verringern.
4. Die Abhängigkeiten von Rohmaterialien aus Nicht-EU-Ländern soll vermindert werden, wobei die internationalen Qualitäts- und Sicherheits-Standards von Arzneimitteln weltweit harmonisiert werden sollen. Der europäischen Pharmaindustrie soll geholfen werden, global konkurrieren zu können.


 

Quelle: Newsletter von Gesundheit-EU 253 – Fokus; Grafik: Website EU; PM 12-2020-3


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