eHealth: Nicht ohne Nutzen

Foto: Cover StudieDie Digitalisierung des Gesundheitswesens wird nicht nur als Mammutaufgabe, sondern auch als unausweichlich beschrieben. Denn davon versprechen sich Politik, Ärzte, Patienten und Kassen mehr Effektivität und Effizienz in den Versorgungsprozessen. In dem Report eHealth Monitor* wird analysiert, wie Deutschland voran kommt.

Obwohl mehr als acht von zehn Ärzten bereits an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sind, kommunizieren 93% der Ärzte noch immer in Papierform mit den Krankenhäusern und gerade einmal 44% aller Gesundheitseinrichtungen (Krankenhäuser, ambulante Arztpraxen, MVZ) nutzen Tools wie elektronische Gesundheitsakten. Allerdings mangelt es nicht an digitalen Systemen, Tools und Services für Patienten. Krankenversicherungen haben schon heute ein vergleichsweise breites digitales Service- und Leistungsspektrum – von der Online-Gesundheitsförderung über die Online-Filiale bis hin zum medizinischen Info-Videochat.

Doch nur 15% der Arztpraxen bieten eine Online-Terminvereinbarung oder die Rezeptbestellung via Homepage zu an – 59% hatten 2019 keinerlei digitale Services im Angebot. Die Skepsis scheint immer noch groß. So rechnen laut Umfragen 43% der ambulanten Ärzte mit einer Verschlechterung der Arzt-Patienten-Beziehung durch die Digitalisierung und nur 14% mit einer Verbesserung. Fast jeder zweite Apotheker fürchtet um seine Stammkunden, sobald das eRezept eingeführt ist. Doch die Corona-Pandemie hat einiges ins Rollen gebracht: Im Frühjahr 2020 boten bereits 52% aller niedergelassenen Ärzte Videosprechstunden an. Ende 2017 waren es gerade einmal 2%.


Die Corona-Pandemie hat auch die Bereitschaft der Deutschen erhöht, digitale Gesundheitsangebote zu nutzen. Jeder Dritte hat schon einmal einen Arzttermin online gebucht und zwei von drei Deutschen begrüßen die Einführung von elektronischer Patientenakte und eRezept – selbst in der Generation 65plus sind es noch mehr als 60%. Mehr als zwei Drittel der Befragten stehen diesen Angeboten heute aufgeschlossener gegenüber als vor der Krise. Und: Auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Krise im ersten Quartal 2020 kamen Gesundheits-Apps und -services auf fast 2 Millionen Downloads – eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahreszeitraum.


McKinsey hat nach Evidenz über den Nutzeneffekt von eHealth-Lösungen gesucht. Bei der Literaturrecherche wurden für Deutschland 158 Publikationen identifiziert, die seit dem Jahr 2000 zum Thema eHealth veröffentlich wurden. Das am meisten erforschte Therapiegebiet sind mit 88 Veröffentlichungen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Danach folgt die die Rehabilitation (36 Publikationen), die überwiegend zum Thema eHealth-unterstützte Interventionen unternommen wurden. Zu Diabetes wurden 16, zu Depressionen 11 und zu Atemwegserkrankungen 7 Untersuchungen gefunden.


Bei 84 Studien wurde der quantitative Nutzen untersucht. Davon kommen 67 zu einem positiven Ergebnis und nur 17 zu einem uneindeutigen oder negativen Resultat. Als positive Effekte wird zu 79% ein verbesserter Gesundheitsstatus, zu 9% eine höhere Kosteneffizienz, zu 7% ein verbesserter Gesundheitsstatus und eine höhere Kosteneffizienz und zu 3% Zeitersparnis genannt.

Quelle: McKinsey&Co., eHealth Monitor 2020, November 2020; ; Foto: Cover Studie; PM 21-2020-3


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