Digitale Ethik: Oft kein Kommunikationsthema

Grafik: PwC Dass die Digitalisierung vieles - fast alles - verändert, ist mittlerweile schon fast zu einer Phrase verkümmert. Doch die digitale Transformation berührt nicht nur technologische Fragen, sondern auch ethische. Digitalethik „fragt nach dem richtigen Handeln und dem guten Leben unter den Bedingungen der Digitalisierung. Sie untersucht die gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Verträglichkeit digitaler Technologien in ihrer Entwicklung und Anwendung."

Das Beratungsunternehmen PwC betont: „Um digitales Vertrauen zu schaffen, müssen Unternehmen sensibel gegen­ über den Effekten der technologischen Transformation agieren. Es bedarf ihrer Bereitschaft, das unternehmerische Handeln an digitalethischen Werten auszurichten und einen Wertekodex auszubilden, der die Digitalisierung gemeinwohlverträglich voranbringt."

NetFederation, Spezialist für digitale Unternehmenskommunikation, hat sich mit digitaler Ethik als Kommunikationsthema auf Corporate Websites auseinander gesetzt. Und stellt die Frage: Wie gehen Unternehmen mit ethischen Fragen zur Digitalisierung um, und vor allem, wie kommunizieren sie diese nach außen? Das Ergebnis: Digitale Ethik ist für viele Unternehmen noch immer ein Fremdwort, gerade einmal 24 % der Konzerne äußern sich über dieses Thema. Dabei sei die Frage nach der Moral im Netz in unserer jetzigen Zeit allgegenwärtig: Wie dürfen Konzerne mit Nutzerdaten umgehen? Welche Aufgaben darf künstliche Intelligenz übernehmen? Was kann gegen Cybermobbing und Hate Speech unternommen werden?

Auch PwC sagt, dass deutsche Unternehmen beim Thema digitale Ethik noch aufholen müssen. „Eine breite gesellschaftliche Akzeptanz neuer Technologien und Geschäftsmodelle kann nur erreicht werden, indem Unternehmen ihre digitale Transformation werteorientiert gestalten. Die Digitalethik spielt als fester Bestandteil der integren Unternehmensführung eine zentrale Rolle, um eine nachhaltige Basis für die Interaktion mit Kunden, Mitarbeitern und anderen Stakeholdern zu schaffen. Im Fokus steht dabei die werteorientierte Compliance und die Bereitschaft von Unternehmen, für die Achtung der eigenen Werte Sorge zu tragen."


In einer Umfrage sehen sich aber 9% sehr gut und 41% gut im Bereich digitale Ethik und Verantwortung aufgestellt. 33% bewerten sich selbst als befriedigend und 8% ausreichend. 6% beschäftigen sich mit dem Thema überhaupt nicht. In der Pharmaindustrie vergeben sich sogar 74% der Unternehmen selbst die Noten 1 und 2. Das ist weit mehr, als alle anderen Branchen. Digitale Ethik gehört in der pharmazeutischen Industrie in den Aufgabenbereich des C-Levels. 70% der befragten Unternehmen schätzen das so ein. Über einen speziellen Beauftragten für digitale Verantwortung und Ethik verfügen 20%.

Was ist digitale Ethik?
eGovernment-Computing definiert sie so: „Digitale Ethik beschäftigt sich mit moralischen Fragen des digitalen Wandels. Sie fragt nach sittlichen Grenzen, die der Digitalisierung und den Umgang mit Big Data gesetzt werden."


Die digitale Ethik beschäftigt sich dabei vor allem mit folgenden Problemen:
--> Welche Daten dürfen erhoben und verkauft werden? (Inwieweit muss die Datenökonomie eingeschränkt werden?)
--> Wann liegt eine tatsächlich informierte Einwilligungserklärung eines Nutzers vor?
--> Wie weit darf die Anonymität im Netz reichen? (anonymes Cybermobbing als Problem)
--> In wie weit dürfen Algorithmen zur Entscheidungsfindung in der Privatwirtschaft zum Einsatz kommen (beispielsweise bei der Kreditvergabe)?
--> Wie viele und welche Aufgaben darf künstliche Intelligenz übernehmen? (Insbesondere in extrem sensiblen Bereichen wie der Medizin, der Verteidigung oder dem Betrieb von Kraftwerken)
--> Wie ist mit großen Datenmengen umzugehen, die persönliche Informationen beinhalten?

Quelle: PwC, Digitale Ethik, Orientierung, Werte und Haltung für eine digitale Welt; Grafik: PwC; PM 10-2021-3


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