Perspektive: Die Zukunft der Arbeit: synchron und/oder asynchron

Mobile Office soll nicht länger die Ausnahme oder ein Goodie für Einzelne sein. Social Distancing und Home-Office-Pflicht haben eine Entwicklung befeuert, die sich schon seit Jahren angekündigt hat: Die Sehnsucht nach Arbeiten ohne Zeit- und Raumbegrenzung. In der Post-Corona-Zeit wird hybrid Work und asynchrones Arbeiten als Lösungsformel propagiert. Doch wie belastbar und wie nachhaltig sind die Lösungsansätze?

Fest steht, der flexible Wechsel zwischen Home und Office entspricht den Erwartungen vieler Mitarbeiter*innen. Glaubt man den Studien der Zukunftsforscher wollen immer mehr Mitarbeiter*innen sich den Traum erfüllen, von unterwegs aus zu arbeiten: Vom Strand in Malle, den sogar im Sommer schneebedeckten Bergen in den Alpen oder anderen Sehnsuchtsorten. Sie wollen Job und Hobby, Urlaub und Arbeit, Home und Office miteinander verbinden. Und offensichtlich sind wir erst am Anfang dieser Entwicklung: Nach einer EY-Studie (Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) stimmten 84 % der Befragten der These zu, dass sie im Jahr 2030 vermutlich komplett ortsunabhängig arbeiten werden. Traum oder Albtraum?


Die einen behaupten: Zuhause kann man sich besser konzentrieren und daher produktiver arbeiten. Die anderen geben zu bedenken: Home-Office führt zur Vereinsamung und mentaler Entgrenzung. Die einen schwärmen von der Inspiration unter Palmen, der impulsiven Kreativität, die anderen stöhnen unter der Kombination von Homeschooling, schlechter Internetverbindung und dem Gewusel in der 45 qm-Wohnung.
Viele Vorgesetzte haben in der Corona-Pandemie gelernt loszulassen und übertragen ihren Mitarbeitern zunehmend die Entscheidung, wo, wann und wie sie arbeiten wollen. Jedoch geplagt von der Frage: Wie Sie als Teamleiter die Teamkultur bewahren, wie sie deren identitätsstiftende Kraft aufrechterhalten können. Loslassen und gleichzeitig fest an die Kultur binden – ein belastender Spagat.

Alle sollen durch die Teamleiter*innen kulturell eingebunden werden, egal ob im Home oder Office, für alle sollen die Teamleiter*innen Räume schaffen um sich als Team erleben zu können – ob virtuell oder analog. Gleichzeitig sollen die Teamleiter*innen immer mehr Kommunikations-Kanäle im Auge behalten, aufpoppende Push-Nachrichten zeitnah bearbeiten und für alle Kolleg*innen ständig erreichbar sein. Wo bleibt da der Plan von freier Zeiteinteilung? Als Lösung wird asynchrones Arbeiten propagiert.

Im Gegensatz zum synchronen Arbeiten, bei dem alle gleichzeitig in einem Meeting sitzen, gibt es im asynchronen Arbeiten keinen unmittelbaren Kontakt zu Kolleg*innen. Stattdessen läuft die Kommunikation über Tools, bei denen nicht immer gleich geantwortet werden kann oder muss. Erst wenn der Empfänger*in bereit ist, die Aufgabe in Angriff zu nehmen, wird bearbeitet. Asynchrones Arbeiten schafft Präsenz zu einer bestimmten Zeit ab.

Und dennoch lautet in vielen Unternehmen die Kompromissformel: Mindestens zwei bis drei Tage Office-Pflicht pro Woche. Pflicht - welch ein aus der Mode gekommenes Wort. Die Befürworter von Pflicht-Office-Zeiten sind der festen Überzeugung, dass virtuelle Meetings das physische Miteinander nicht oder nur teilweise ersetzen können, sie sind zur Überzeugung gelangt, dass die Unternehmenskultur leidet, wenn sich die Teams nicht mehr im Office treffen. Sie suchen die funktionierende Balance zwischen Remote und Präsenz, zwischen ungestörtem „Deep Work" zuhause und gemeinsamen kollaborativen Prozessen im Office.

Wie aber können wir die freiwillige Rückkehr ins Büro schmackhaft machen? Wie könnten „Leitplanken" aussehen, die für alle Mitarbeiter gleichermaßen gelten? Noch gibt es darauf keine überzeugende Musterlösungen. Gut so: Platz für Experimente, Raum für neue Erfahrungen.       W.P.

PM 13-2021-5


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