Desinvestition: It’s time to say good bye

Grafik/Foto: EYKonzerne trennen sich weltweit von immer größeren Unternehmenseinheiten. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres hat sich das Desinvestitionsvolumen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weltweit mehr als verdoppelt: Die untersuchten Konzerne veräußerten zwischen Januar und Mai Unternehmensteile im Gesamtwert von 828 Mrd. US-Dollar. Das ist ein Zuwachs von gut 123% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als Desinvestitionen im Wert von lediglich 371 Mrd. US-Dollar getätigt wurden.

Die Zahl von Verkäufen stieg im selben Zeitraum zwar auch – allerdings deutlich moderater von 3.085 auf 3.164 Transaktionen. Im Gesamtjahr 2020 waren die Desinvestitionen in wichtigen Märkten weltweit noch unter dem Niveau der Vorjahre geblieben: So trennten sich die untersuchten Konzerne von Unternehmensteilen im Gesamtwert von 1,3 Bio. US-Dollar. Im Vorjahr wurden im gleichen Zeitraum 1,6 Bio. US-Dollar erzielt – das entspricht einem Rückgang um mehr als 20%. Die Zahl der Desinvestitionsprojekte sank im Jahr 2020 mit 8.388 auf den niedrigsten Stand seit 2015.

Das sind Ergebnisse einer weltweiten Studie zu Unternehmensverkäufen, für die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY Divestments in ausgewählten Märkten ausgewertet hat (Deutschland, USA, Vereinigtes Königreich, Frankreich, China und die sogenannten Nordics, zu denen Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark zählen). Der schon seit längerem beobachtete Trend zu insgesamt weniger Deals bei steigendem Wert einzelner Desinvestitionen setze sich fort, sei allerdings aktuell in erster Linie in den größten Märkten – USA und China – zu beobachten.


Deutlich weniger Desinvestitionen in Deutschland
In Deutschland traten die untersuchten Konzerne bei Desinvestitionen in den vergangenen Monaten auf die Bremse. Hatten sich die untersuchten Konzerne im Gesamtjahr 2020 noch in 300 Fällen von Unternehmensteilen (Vorjahr: 291 Deals) getrennt und dabei ein Volumen von 57 Mrd. US-Dollar (plus 25%) erzielt, brachen die Desinvestitionsaktivitäten in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres hierzulande deutlich ein: Bei nur noch 66 Verkäufen (Vorjahreszeitraum: 103) erzielten die Konzerne ein Gesamtvolumen von knapp 8 Mrd. USDollar (minus 70%).


EY sieht als Grund für die Zurückhaltung vor allem die Corona-Pandemie. Transaktionen, die im Jahr 2020 nicht angegangen oder pausiert wurden, würden sich erst mit entsprechender Verzögerung in der aktuellen Erhebung niederschlagen. Megatrends wie Digitalisierung, Elektromobilität, Klimawandel und Ressourcenknappheit würden jedoch nach wie vor viele große Unternehmen veranlassen, ihr Portfolio auf den Prüfstand zu stellen. „Die Pipeline sowohl auf der Käufer- als auch auf der Verkäuferseite ist prall gefüllt. Bis Jahresende wird die Zahl abgeschlossener Divestments in Deutschland massiv zunehmen", erwartet Daniel Riegler, Leiter EMEIA Sell & Separates Leader bei EY.


Grafik/Foto: EYNeben anderen Branchen erwartet Riegler vor allem in der deutschen Automobilindustrie künftig mehr Bewegung. Weltweit stehen wie im Vorjahr besonders Technologie- und Medienfirmen im Fokus von interessierten Käufern. In den ersten fünf Monaten des Jahres wurden bei insgesamt 676 Deals 302 Mrd. US-Dollar in Technologie- und Medienfirmen investiert – so viel wie in keiner anderen Branche und mehr als im gesamten Jahr 2020, als bei 1.703 Verkäufen 280 Mrd. US-Dollar erzielt wurden. Unternehmen aus der Energiebranche folgen mit 538 Transaktionen, bei denen ein Transaktionsvolumen von 134 Mrd. US-Dollar erlöst wurde, auf Platz zwei.


Was die Life Sciences- und insbesondere die Pharmaunternehmen betrifft, stellt EY fest, dass die Aktivitäten zwar herunter gefahren wurden, sich das Divestment von Sektoren, die nicht zum Kerngeschäft zählen, aber fortsetzt. 73% der befragten Life Sciences Unternehmen sehen Chancen darin, das Portfolio zu bereinigen, um mehr Geld in neue oder benachbarte Geschäftsfelder investieren zu können. So sagen 66%, dass sie das bestehende Portfolio neu bewerten wollen, weil sich ihre strategischen Prioritäten verändert haben oder bestimmte Produktlinien nicht mehr zum Kerngeschäft passen.

Quelle: Global Corporate Divestment Study 2021; Grafik/Foto: EY; PM 17-2021-3


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