Digitaler Healthcare Index: Die neuen Kompetenzen

Digitaler Healthcare Index New Work hält Einzug in die Gesundheitswirtschaft. Die Arbeit aus der Distanz hat sich seit 2019 nahezu verdreifacht. Während die Branche zunehmend auf agile Arbeitsweisen, flache Hierarchien und dezentrale Strukturen setzt, verändert sich der Anspruch an die Führungs- und Unternehmenskultur sowie die benötigten Kompetenzen von Führungskräften und Mitarbeitenden. Zu diesen Ergebnissen kommt der kürzlich erschienene und verschiedenen Sponsoren geförderte DIG-IN Digitaler Healthcare Index 2021, den der Healthcare Frauen (HCF) e.V. in Kooperation mit dem IFAK Institut für Markt- und Sozialforschung erstellt hat.

Seit 2019 misst die Befragung den Status Quo der digitalen Transformation in der Gesundheitswirtschaft. Für den diesjährigen Report wurden 125 Führungskräfte der ersten und zweiten Führungsebene aus dem Gesundheitssektor befragt. Die Ergebnisse geben Aufschlüsse über Entwicklungen in den vier Themenfeldern Digital Leadership, digitale Kompetenzen, digitale Unternehmenskultur und digitaler Arbeitsplatz.

Das Dilemma der Distanz
Laut der Umfrage des DIG-IN Reports stieg der Anteil der Mitarbeitenden, die regelmäßig im Home bzw. Mobile Office arbeiten, von 25% im Jahr 2019 auf 73% im Jahr 2021. Um die 70% der Unternehmen haben mittlerweile eine Regelung für das Arbeiten aus der Distanz etabliert. Vor zwei Jahren lag der Anteil lediglich bei 29%. Virtuelle und hybride Teams sind demnach nicht nur eine Begleiterscheinung der Pandemie, sondern fester Bestandteil der neuen Arbeitswelt.


Als klaren Vorteil der virtuellen Zusammenarbeit sehen die Befragten eine Zeitersparnis. Demgegenüber stehen aber eine Reihe negativer Einschätzungen. Videomeetings werden als ermüdend, stressig, distanziert und demotivierend wahrgenommen. Rund 43% der Befragten beklagen, dass ein mangelnder informeller Austausch die Zusammenarbeit erschwere. Insbesondere auch das digitale Onboarding wird als problematisch empfunden. So erleben 80% der Führungskräfte eine Verschlechterung im Vergleich zum Onboarding vor Ort.


„Die Arbeit aus der Distanz ist jetzt in vielen Unternehmen fest verankert, der Austausch über Videokonferenzen nicht mehr wegzudenken. Die Auseinandersetzung mit den spezifischen Herausforderungen der ortsunabhängigen Arbeitswelt haben aber gerade erst begonnen", erklärt Sevilay Huesman-Koecke, Head of Business Development Health Industries bei PwC Deutschland. „Die Motivation und Weiterentwicklung der Mitarbeitenden rückt in den Fokus und stellt neue Anforderungen an die Führung. Neben neuer Software und wichtigen technologischen Neuerungen, müssen wir das Thema Mental Health im Blick behalten. Bei allen Vorteilen des digitalen Arbeitens brauchen wir den persönlichen Austausch für unsere Sozialkompetenz und um nicht isoliert zu sein. Hier gilt es, die Balance zu halten und diese auch in der Unternehmens- und Führungskultur zu verankern."


Verschiebung bei gefragten Kompetenzen
Die veränderte Arbeitssituation durch die Verbreitung von Home und Mobile Office schlägt sich auch in der Bewertung wichtiger Kompetenzen von Führungskräften nieder. Das Führen auf Distanz ist im Vergleich zu 2019 von Platz 25 auf Platz 5 gerückt. Die Fähigkeit, andere zu motivieren und zu coachen, rangiert auf Platz zwei hinter strategischem Denken und vor den Kompetenzen Kommunikationsfähigkeit und Entscheidungsstärke. Fach- und Erfahrungswissen werden nach Einschätzung der befragten Führungskräfte für Vorgesetzte hingegen unwichtiger. Sie gehören zu den Schlusslichtern im Ranking wichtiger Kompetenzen. Den letzten Platz belegt das Datenverständnis.


Ermittelt wurde der durchschnittliche digitale Führungsqualität-Index. Zur dessen Bestimmung dienen Kriterien, die u. a. die emotionale Einschätzung der Führungskräfte zur Transformation, und Bewertungen zum Themenfeld Führen auf Distanz sowie zur Priorisierung und Erfüllung von Kompetenzen einer neuen Führungskultur anzeigen. ein Relevanz-Ranking der Kompetenzen, und zwar aufgeschlüsselt nach Führungskompetenzen und Kompetenzen der Mitarbeitenden. Mit diesem Score lässt sich erkennen, wie weit sich der Stellenwert von Kompetenzen einer „klassischen" zugunsten
einer neuen (digitaleren) Führungskultur verschiebt.


Sogenannte nichtdigitale Führungskräfte sind im Jahr 2021 nicht mehr vorhanden. Deshalb hat sich der digitale Führungsqualitäts-Index von 39% auf jetzt 53 % erhöht. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte der Führungskräfte in der Gesundheitswirtschaft weiß die digitalen Möglichkeiten
beim Umgang mit Mitarbeitenden zu nutzen und bringt
entsprechende Kompetenzen mit.


Gestiegen ist der Wunsch nach Fortbildungen zu Themen wie Kommunikationsfähigkeit und Selbstmanagement. Als primäre Herausforderungen sehen die Befragten die Aufgabe, Mitarbeitende zum Erkunden digitaler Sphären zu motivieren und den persönlichen Kontakt nicht zu verlieren. Jede vierte Führungskraft geht davon aus, dass die fortschreitende Digitalisierung ein Teil des Arbeitsalltags bleibt.


Der Index für den Digitalisierungsgrad in Unternehmen berücksichtigt elf Bereiche der Transformation: Customer Experience, Produktinnovation, Strategie, Organisation, Prozessdigitalisierung, Zusammenarbeit, Informationstechnologie, Kultur und Expertise, Transformationsmanagement, digitales Leistungsvermögen und digitale Führungskompetenz. Aus diesen Bereichen wurden inhaltslogisch 25 Befragungsitems ausgewählt, deren Eignung durch Korrelations-, Faktoren- und Reliabilitätsanalysen bestätigt und in einem Summenscore verdichtet wurde. Zwischen 2019 und 2021 ist der durchschnittliche Digitalisierungsgrad von 49% auf 58% gestiegen. Außerdem ist in den vergangenen zwei Jahren knapp jedes fünfte Unternehmen vom Digital Follower zum Digital Transformer avanciert.


 

Foto: Cover Studie; PM 21-2021-4


powered by webEdition CMS