Joint Venture boi: Fokus Digitalisierung

Joint Venture Das Software-Unternehmen the peak lab und die Healthcare-Agentur von Mende Marketing haben gemeinsam das Start-up boi gegründet. Die Abkürzung steht für based on insights. Der Name soll Programm sein: Strategien und Konzepte basieren auf Insights und Daten. Neben digitalen Strategien und Geschäftsmodellen sollen aber auch digitale Services entwickelt werden, die Ärztinnen und Ärzte entlasten und Patient:innen unterstützen sollen. Das Joint Venture möchte zudem "mit digitaler Markenentwicklung, Designs und interdisziplinären Content-Marketing-Konzepten die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Markteinführung der Produkte und Dienstleistungen forcieren". Dabei lautet das Stichwort: Individuell auf die/den Nutzer:in zugeschnitten, denn "überall bestehen Optimierungspotenziale", betonen Swea von Mende und Jens Läkamp im Interview.

"Es geht um ihre individuellen Bedürfnisse und Bedarfe."
Interview mit Swea von Mende, CEO und Co-Founder von boi sowie Founder und CEO der von Mende Marketing GmbH, und Jens Läkamp, CEO und Co-Founder von boi sowie Co-Founder und CEO von the peak lab.

PM-Report: Das Start-up „based on insights" – kurz boi – geht auf den Zusammenschluss von unterschiedlichen Playern zurück: dem Software-Unternehmen the peak lab und der Agentur von Mende Marketing. Geht nichts mehr ohne Daten und KI?
von Mende: Diese Frage lässt sich nicht mit ja oder nein beantworten. Es kommt immer auf den einzelnen Anwendungsfall an. Blind auf KI zu setzen ergibt daher keinen Sinn. Vielmehr wollen wir hinsichtlich der Nutzung von Daten und KI auf- und erklären, Transparenz schaffen und die Potenziale für datengetriebene digitale Anwendungen aufzeigen. Klar ist aber auch, dass eine daten- und KI-basierte Strategie die Möglichkeit eröffnet, Anwendungen und damit die User Experience zu optimieren sowie Lösungen und Empfehlungen möglichst in Echtzeit zu bieten – mit individuell zugeschnittenen Informationen.

PM-Report: Sie möchten gemeinsam "die Antwort auf die digitale Transformation der Gesundheitsbranche" sein. Welche Antworten liefern Sie?
Läkamp: Wir stellen die Nutzer:innen in den Mittelpunkt unserer eHealth-Lösungen. Es geht um ihre individuellen Bedürfnisse und Bedarfe. Dafür werden wir digitale Produkte entwickeln, die helfen, die Gesundheit von Menschen zu erhalten bzw. zu verbessern. Aber vor allem sollen sie für die Anwender:innen einen wesentlichen Unterschied in ihrem Wohlbefinden und damit in ihrer Lebensqualität bedeuten und nicht nur ein Gadget sein.

PM-Report: Ein Stichpunkt ist die personalisierte oder individualisierte Medizin - warum wird das immer wichtiger?
von Mende: Die häufigsten Krankheitsbilder haben zwar nicht immer, aber sehr häufig, ein klares Profil und können damit diagnostisch gut erfasst werden. Die evidenzbasierte Medizin samt therapeutischer Leitlinien geben Ärztinnen und Ärzten einen guten Rahmen, um gute bis sehr gute Behandlungserfolge zu erzielen. Das ändert aber nichts daran, dass überall Optimierungspotenziale bestehen. Die finalen Auslöser der Krankheiten sowie die Co-Morbiditäten der Patient:innen lassen sich häufig nicht vergleichen. Die mentale und die körperliche Konstitution spielen eine Rolle, ebenso der Lebensstil, das Verhalten und Alter sowie das Gesundheitsverständnis.
Je individueller man auf die Bedürfnisse und Profile der Patient:innen eingehen kann, desto höher ist die Chance, dass effizienter, verträglicher und nachhaltiger Gesundheit erhalten bzw. zurückgewonnen werden kann. Auch die Erwartung bei den Nutzer:innen geht genau in diese Richtung. Darauf wollen wir einzahlen. Und dies nicht erst im Krankheitsfall, sondern bereits in dem immer größer werdenden Feld der Prävention.

PM-Report: Inwiefern und wie müssen HCPs und wie Patient:innen abgeholt werden?
Läkamp: Indem man ihnen Mehrwert bietet und sie mit der Anwendung begeistert: durch eine starke User Experience und durch Entlastung. Zuallererst muss sich der Sinn einer Anwendung möglichst auf einen Blick erschließen. Das „Abholen" braucht es dann gar nicht mehr.
Beispiel DiGA: Dass Anwendungen digital sind, heißt noch lange nicht, dass sie auf Akzeptanz stoßen. Wenn DiGA den Ärztinnen und Ärzten mehr Arbeit machen, als Vorteile bringen, dann werden sie bei der Verordnung zurückhaltend bleiben. Und wenn Patient:innen keine Vorteile erleben, werden sie eine DiGa vielleicht herunterladen, danach aber nicht mehr benutzen.
Deswegen muss die DiGA in beide Richtungen funktionieren: Sie muss Ärztinnen und Ärzte in ihrem Praxisalltag entlasten und ihnen helfen, Patient:innen besser zu führen und zu begleiten. Und umgekehrt müssen die Patient:innen von der DiGa begeistert sein, weil sie echte Unterstützung erfahren.

PM-Report: Da Sie die DiGA nennen: Was wird in dem Bereich alles möglich sein?
von Mende: Es ist erfreulich zu sehen, dass immer mehr digitale Angebote ihren Weg auf die Positivliste des BfArM gefunden haben und damit erstattungsfähig sind. Besonders spannend wird es, wenn Gesundheitsparameter über Sensoren oder Biomarker am Patienten erfasst und in Echtzeit ausgewertet werden. Leitet die DiGa daraus Handlungsempfehlungen ab und an den User weiter, kann das für ihn einen Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.
Blicken wir noch ein wenig weiter in die Zukunft, dann werden die Benchmark-DiGa sprachgesteuert sein. So wird die Bedienung um ein Vielfaches intuitiver und dadurch – vor allem bei älteren Menschen – die Hemmschwelle gesenkt, sie zu nutzen und davon zu profitieren.

 

PM11 16-06-2022


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