Digitalisierung durch qualitätsgesicherte Leitlinien


Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) macht sich Gedanken darüber, wie das Gesundheitswesen nachhaltig digitalisiert werden kann.

Die Rolle von Leitlinien, Grafik: AWMF

Konzept "Digitalisierung von Leitlinienwissen"

Dazu hat die Arbeitsgemeinschaft ein Konzept “Digitalisierung von Leitlinienwissen” erstellt. Darin heißt es: “Es geht um nicht weniger als die Schaffung eines einheitlichen Kommunikationsstandards. Dadurch soll sichergestellt werden, dass digitale Anwendungen in der Medizin nicht als „stand-alone“-Lösungen, sondern als allgemein nutzbare Werkzeuge gedacht werden, um Doppelarbeiten und Sackgassen zu vermeiden. Die AWMF verfolgt in diesem Kontext ein umfassendes, international abgestimmtes Projekt zur Digitalisierung von qualitätsgesichertem Leitlinienwissen als Teilaspekt des ‘Digital Trustworthy Evidence Ecosystem’.”

Digital bedeutet verfügbar machen

Also, konkret sollen Leitlinien digitalisiert werden, um das Wissen für sämtliche digitale Anwendungen und unterschiedliche Leistungsbereiche im Gesundheitssystem zielgerechter verfügbar zu machen. Die Leitlinien, die sich im Leitlinienregister der AWMF befinden, nutzen zahlreiche Stellen und Akteure im Gesundheitssystem – beispielsweise im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten, bei der Bereitstellung von Gesundheitsinformationen für die Bürgerinnen und Bürger oder der Zulassung von neuen Medikamenten.

Die Leitlinien sind ebenso wichtig als Grundlage für vertrauenswürdige Entscheidungen in der Behandlung von Patientinnen und Patienten. Prof. Dr. med. Rolf-Detlef Treede, Präsident der AWMF, betont: „Damit Ärztinnen und Ärzte zusammen mit den betroffenen Personen informierte Entscheidungen treffen können, ist es wichtig, dass die evidenzbasierten Informationen aus den Leitlinien am Ort der Behandlung, dem sogenannten „Point of Care“, verfügbar sind.” Und das bedeutet: Auch dort ist es wichtig, dass sie digital zugänglich sind.

Ausbau eines digitalen Leitlinienregisters

Die Arbeitsgemeinschaft hat den Ausbau eines digitalen Leitlinienregisters im Rahmen von Forschungsprojekten vorbereitet und den Start selbst finanziert. Für den vollständigen Ausbau des Leitlinienregisters, das den Anforderungen der Fachgesellschaften entspricht, strebt die AWMF jedoch eine unabhängige Förderung an. Die Umsetzung müsse begleitend erforscht werden. Die AWMF hat dazu dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) einen Themenschwerpunkt zur Förderung vorgeschlagen.

Einheitliche Terminologien

Dr. Stefanie Weber vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sieht eine große Chance in der digitalen Aufbereitung von Daten aus vielen unterschiedlichen Quellen und deren Kombination mit Kenntnissen aus klinischen Studien und dem Leitlinienwissen. So kann die Patientensicherheit in Zukunft weiter verbessert werden, meint sie, wenn diese Daten miteinander kombiniert werden können. Voraussetzung dafür sind einheitliche Terminologien. „So können Daten automatisch verarbeitet und über die Sektorengrenzen hinweg beispielsweise gezielt nach Mustern sowie Informationen durchsucht werden,” erklärt sie. Das BfArM arbeitet derzeit an entsprechenden Systemen und kooperiert dabei auch mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), um die Entwicklung weltweit voranzutreiben.

Die AWMF hat in diesem Kontext die Umsetzbarkeit und konkrete Erfordernisse für die Überführbarkeit von Leitlinienwissen in digitale Anwendungen in Forschungsprojekten, auch anhand von „use cases“ aufgezeigt. Vor diesem Hintergrund ist die Überführung des Leitlinienregisters in ein digitales Format unabdingbar.

Ziele sind die

1. Beschleunigung der Entwicklung und Aktualisierung von Leitlinien durch Nutzung digitaler Werkzeuge und Anwendungen, einschließlich KI-Lösungen

2. Verbesserung der Verfügbarkeit qualitätsgesicherten Wissens aus Leitlinien für eine bessere Gesundheitsversorgung (z. B. über das Gesundheitsportal des BMG, die elektronische Patientenakte, Entscheidungsunterstützungssysteme in Klinik und Praxis)

3. Verbesserung des Transfers von aktuellem Leitlinienwissen in der medizinischen Aus- und Weiterbildung (über NKLM und IMPP)

4. Stärkung von Patient:innen und Bürger:innen in Bezug auf die Teilhabe an medizinischen Entscheidungen

5. Identifizierung und Konkretisierung von Forschungsbedarfen.

Prof. Dr. Ina Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi), bringt es auf dem Punkt: „Für die Zukunft kommt es darauf an, Leitlinienwissen für die einzelnen Anwendungsbereiche einfacher zugänglich zu machen. Dazu wollen wir die Chancen der Digitalisierung nutzen und die Daten interoperabel machen, also über Systemgrenzen hinweg nutzbar.”

 

 

Das Konzept können Sie hier nachlesen.

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