E-Health entfesseln: Bessere Gesundheit für alle 


Warum E-Health eine bessere Gesundheit ermöglicht, das beleuchten Pirkka Padmanabhan und Thomas Müller von McKinsey & Company.

E-Health: Potenzial für eine bessere Gesundheitsversorgung. (Photo by Gilles Lambert on Unsplash)

 

Proaktive Identifizierung von Krebs-Hochrisikopatienten, Ärzte, die unabhängig von der Fachrichtung ein vollständiges Bild von Behandlungen und Medikamenten eines Patienten haben, und Apotheken, die Medikamente ohne Papierrezept aushändigen – was für Deutschlands Bürger noch nach Zukunftsmusik klingt, ist in Nachbarländern wie Schweden oder Dänemark heute schon Realität.

E-Health eröffnet neue Wege

E-Health verändert in vielen Teilen der Welt angestammte Pfade im Gesundheitsystem. In Deutschland kam das Thema E-Health jahrzehntelang nur kleinteilig voran. Doch seit ein paar Jahren kommt mehr Tempo rein:  neue E-Health-Gesetze werden erlassen, Lösungen entwickelt und ausprobiert und ausgiebig über Nutzen, Aufwand und Ausgestaltung gestritten. Besonders hervorzuheben sind die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA), des E-Rezepts und der verschreibbaren digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs), mit denen Deutschland weltweit eine Pionierrolle einnimmt.

Dank der Initiativen und durch die Covid-19 Pandemie beschleunigt, ist die Nutzung von einigen E-Health Anwendungen, wie beispielsweise Videosprechstunden, ePA, E-Rezept und DiGA, zwar deutlich gestiegen, aber auf niedrigem Niveau. So haben sich bis Dezember 2022 circa 570.000 Patienten eine ePA angelegt. Zudem sind viele der persönlichen Akten noch „leer“. Schwierigkeiten hat auch das E-Rezept, nachdem Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe ihre Teilnahme am E-Rezept-Pilotprojekt aus Datenschutzgründen zurückgezogen haben.

Was tun? 

Ein Blick auf unsere Nachbarländer bietet Orientierungshilfe: So hat Dänemark mit seinen rund sechs Millionen Einwohnern, z. B. seit 2003 eine nationale digitale Patientenakte, die einen jährlichen Austausch von über 60 Millionen Dokumenten ermöglicht. Laxere Datenschutzstandards? Mitnichten! Patienten können zu jedem Zeitpunkt mögliche Dokumentenzugriffe nachvollverfolgen. 

Eine Nutzerpflicht bei Leistungserbringern, ein automatisches Anlegen der Patientenakte für alle Neugeborenen und nutzerzentriertes Design hat der ePA in Dänemark zum Standard verholfen. Diejenigen, die die Akte nicht nutzen möchten, können sich über ein Opt-Out von der ePA befreien. Die dänische Patientenakte ist ein Erfolgsmodell: Monatlich besuchen über 1,7 Millionen Menschen das nationale Gesundheitsportal sundhed.dk, das die Patientendaten mit anderen Gesundheitslösungen auf einer abgesicherten Cloud-Lösung zusammenführt.

Wo steht Deutschland?

Deutschland bewegt sich gerade in Richtung eines möglichen Opt-Outs für die deutsche ePA – das ist ein wichtiger Schritt, um die Nutzerzahlen zu erhöhen. Ein Erfolgsgarantie wäre das allerdings noch nicht. Nutzer, Nutzen und Nutzung müssen gleichwertig betrachtet, einzeln adressiert und gemeinsam kommuniziert werden. Dabei sollte der Fokus nicht nur auf möglichen Risiken, sondern auch auf den Chancen liegen, die E-Health bietet. 

Sei es in der verbesserten Behandlung von Patienten, neuen medizinischen Forschungsmöglichkeiten oder ganz einfach in reibungsloseren alltäglichen Interaktionen zwischen Patienten, Leistungserbringern und Krankenkassen. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Denn auch langsamer Fortschritt und umständliche Lösungen stellen ein Risiko dar – ein Gesundheitsrisiko für deutsche Bürgerinnen und Bürger.

Pirkka Padmanabhan und Thomas Müller sind Associate Partner bei McKinsey & Company in München und Zürich und Mitherausgeber des McKinsey E-Health Monitor 2022, erschienen bei der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft (ISBN 978-3-95466-759-8). Kostenfreies eBook zum Herunterladen unter: mck.de/ebook

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