Gesundheitswesen: Bis 2025 digitaler?


Unter die Top Ten in Europa soll Deutschland kommen. Das hat sich die Bundesregierung in ihrer Digitalstrategie vorgenommen.

Bis 2025 soll das Gesundheitswesen (mehr) digitalisiert sein. Fotocredit: Adobe Stock #281945725

Digitalstrategie soll beschleunigen 

Immer wieder ist das Wort Digitalisierung während der Corona-Krise gefallen. Deutschland steht hier im europaweiten Vergleich nicht gut da. Das soll sich ändern – noch in dieser Legislaturperiode. Die Top Ten Europas hat die nun vorgestellte Digitalstrategie im Visier.

Für die Bereiche Gesundheit und Pflege bedeutet das: Konsequente Digitalisierung soll die „Modernisierung und Vernetzung des Gesundheitswesens“ vorantreiben. „Damit verbessern wir die Versorgung von Patientinnen und Patienten und die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte und Gesundheitsberufe. Außerdem heben wir dadurch Effizienzpotential für eine nachhaltige Finanzierung des Gesundheitswesens“, heißt es im ausführlichen Papier des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV).

Die Digitalstrategie der Bundesregierung gibt den übergeordneten Rahmen der Digitalpolitik in Deutschland für die aktuelle Legislaturperiode vor. Demnach soll Deutschland Vorreiter bei Digital Health werden.

Die elektronische Patientenakte soll Herzstück werden

Das im Strategiepapier genannte Beispiel der Diabetes-Patientin Elif, die dank der elektronischen Patientenakte (ePA) sowohl vom Hausarzt als auch von Rettungsdienst und im Krankenhaus optimal versorgt werden konnte, zeigt die Vorteile der vernetzten Gesundheitsdaten. Ziel ist es also mit der ePA die bislang an verschiedenen Stellen (z. B. Praxen und Krankenhäuser und Öffentlicher Gesundheitsdienst) existierenden und entstehenden Patientendaten digital zu integrieren. Damit Patientinnen und Patienten sowie Leistungserbringer schnellstmöglich von den besonderen Potenzialen der ePA profitieren können, soll die Bereitstellung und Nutzung der ePA erleichtert werden. Wie das Ziel erreicht werden soll, ist allerdings nicht konkretisiert.

Weiterer zentraler Bestandteil: das E-Rezept

Bisher nutzen Patientinnen und Patienten sowie Ärzt:innen dieses nicht in der Breite. In der Digitalstrategie schreiben die Verantwortlichen: „Wir werden das E-Rezept als Ersatz des bisherigen Papierrezepts als Pflichtanwendung für die Verordnung verschreibungspflichtiger Arzneimittel zunächst in der gesetzlichen Krankenversicherung schrittweise einführen.“

E-Akte wie E-Rezept sind klar umrissene Ziele – alles andere bleibt vage beziehungsweise schwer messbar.

In der Pflegeversorgung etwa sollen die Grundlagen für eine vollelektronische Abrechnung im ambulanten Bereich geschaffen werden und die Erprobung von Telepflege vorangetrieben. Außerdem wird die Ampel-Regierung die Pflegeeinrichtungen mit dem Förderprogramm zur Anschaffung von digitalen und technischen Lösungen zur Entlastung der Pflegekräfte unterstützen.

2025 will die Ampel-Koalition sich daran messen lassen, ob:

  • mindestens 80% der GKV-Versicherten über eine elektronische Patientenakte (ePA) verfügen und das E-Rezept als Standard in der Arzneimittelversorgung etabliert ist (Papierrezept „Muster 16“ lediglich als Rückfalloption).
  • das Gesundheitswesen die Potenziale der Digitalisierung besser ausschöpft und dadurch alle Menschen insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen, umfassend durch eine bessere Versorgung profitieren.
  • sich die Datenverfügbarkeit bei der Gesundheitsversorgung verbessert hat und eine verbesserte Datengrundlage für die Forschung, zur Qualitätssicherung und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung zur Verfügung steht.
  • die Freigabe von ePA-Daten zu konkreten Mehrwerten für Ärztinnen und Ärzte, Patientinnen und Patienten sowie für die Wissenschaft führt.
  • das Pflegewesen durch die Digitalisierung und Robotik eine spürbare Unterstützung und Entlastung erfährt, die Patientinnen und Patienten aber auch deren Angehörigen und den Pflegekräften zugutekommt.
  • wir zusammen mit den anderen Mitgliedstaaten der EU einen „Datenraum Gesundheit“ aufbauen, der europäischen Sicherheitsstandards gerecht wird und grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung und -forschung erleichtert.

 

„Wir brauchen einen umfassenden digitalen Aufbruch für Deutschland“, sagt Bundesminister Dr. Volker Wissing in einer Pressemitteilung. Die Digitalstrategie sei eine konkrete Zukunftsvision mit greif- und messbaren Zielen für den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Transformationsprozess. „Und wir verpflichten uns als Bundesregierung, diese bis zum Ende der Legislaturperiode – also bis 2025 – auch umzusetzen.“ 

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