Gesundheitspersonal: Wie fachkundig sie selber sind


Wie steht es um die Gesundheitskompetenz in den Gesundheitsberufen? Das wollten die Hertie School in Berlin und die Universität Bielefeld wissen.

Die Stiftung Gesundheitswissen betreibt viel Aufklärungsarbeit. (Fotocredit: Screenshot Facebook Stiftung Gesundheitswissen)

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Gesundheitswissen ist eine Befragung zur professionellen Gesundheitskompetenz durchgeführt worden.

„Menschen, die in Gesundheitsberufen arbeiten, haben unmittelbar Einfluss auf die Gesundheitskompetenz ihrer Patientinnen und Patienten“, erläutert PD Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen. Deshalb sei es wichtig, sich damit zu befassen, wie sie deren Gesundheitskompetenz fördern können. Die Studie legt offen, mit welchen Herausforderungen Gesundheitsprofessionen konfrontiert sind. Gleichzeitig will sie Ansatzpunkte für Verbesserungen in Praxis und Ausbildung sowie eine Grundlage für zukünftige Forschung bieten.

Größtes Problemfeld: digitale Gesundheitsinfos

Den größten Handlungsbedarf sieht die Studie in der professionellen digitalen Gesundheitskompetenz. Gemeint ist den Forschenden zufolge damit, wie sie Patient:innen im Umgang mit digitalen Informationen unterstützen. Etwa ein Drittel der Befragten (33 bis 39%) schätzt es beispielsweise als schwierig ein, Patient:innen behilflich zu sein, die Vertrauenswürdigkeit gefundener digitaler Informationen zu beurteilen oder sie anzuleiten, die richtigen digitalen Informationen herauszufinden.

Suhr zufolge benötigt es hier für beide Seiten mehr Unterstützung. Denn diese Fähigkeit werde künftig zu einer Schlüsselkompetenz gehören.

Als weitere Herausforderung beschreiben die Befragten in diesem Zusammenhang fehl- oder falschinformierte Patient:innen: Sich mit ihnen auseinanderzusetzen, stellt knapp die Hälfte (45%) der Ärzt:innen und 37% der Pflegenden vor Schwierigkeiten.

So sah die Befragung zur Gesundheitskompetenz aus

Wie leicht oder schwer ist es also für Ärzte und Ärztinnen oder Pflegende, sich selbst auf dem aktuellen Wissensstand zu halten? Können sie Wissen und entsprechende Informationen Patientinnen und Patienten verständlich vermitteln? Gelingt es ihnen, dabei an das Vorwissen von Patientinnen und Patienten anzuknüpfen und Informationen auf deren persönliche Situation zuzuschneiden? Diese und ähnliche Fragen erörterte das neu entwickelten Erhebungsinstrument.

In der Onlinebefragung unter rund 300 Allgemeinmedizinern, hausärztlich tätigen Internisten sowie 600 Pflegefachpersonen stellten die Wissenschaftler:innen Fragen zu vier verschiedenen Aufgabenbereichen:

  1. Informations- und Wissensmanagement,
  2. Informations- und Wissensvermittlung,
  3. patientenzentrierte Kommunikation und
  4. professionelle digitale Gesundheitskompetenz.

 

Mehrzahl der Aufgaben ist „gut zu bewältigen“

Die befragten Ärzt:innen sowie Pflegefachpersonen zogen in vielen Bereichen eine positive Bilanz. Beispielsweise schätzten sie ihre Fähigkeiten und den Umgang mit Aufgaben, die mit der Förderung der Gesundheitskompetenz von Patient:innen zusammenhängen, insgesamt als recht positiv bewerten. Die Mehrzahl der Aufgaben schätzten sie als „gut zu bewältigen“ ein.

Von den 0 bis 100 möglichen Punkten liegt der Punktwert in keinem der Aufgabenbereiche professioneller Gesundheitskompetenz unter 50, wie es im Bericht heißt; je nach Aufgabenbereich variierten die Werte zwischen 53 und 74 Punkten.

Verbesserungspotenzial sehen die Befragten darin, mit statistischen Ergebnissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen umzugehen. Konkret: 24% der Ärzt:innen und 17% der Pflegenden beurteilen es als schwierig, statistische Ergebnisse korrekt einzuordnen.

Zudem betrachten sie es als schwierige Aufgaben, Evidenz und Vertrauenswürdigkeit von Fachinformationen zu beurteilen.

Es ergeben sich also diverse Anknüpfungspunkte für die Realität. Suhr ist es ein Anliegen, „Wissen in die Lebenswelten zu tragen und die Informationsvermittlung in diesen Bereichen zu verbessern – nur so können alle Menschen von Wissen rund um gesundheitliche Themen profitieren.“

Den ausführlichen Report können Sie hier nachlesen.

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