GREEN HEALTH FORUM: Nachhaltigkeit und Gesundheit


Der Klimawandel verändert nahezu alle Bereiche unseres Lebens und konfrontiert uns mit einer Jahrhundertherausforderung. Auch unser Gesundheitssystem ist betroffen. 

Das Green Health Forum möchte aufrütteln und auch das Gesundheitswesen muss sich ebenso nachhaltig ändern. (Photo by Markus Spiske on Unsplash)

 

Auf dem Kongress sind Nachhaltigkeit und Gesundheit zwei Seiten derselben Medaille. Rückblick auf das GREEN HEALTH FORUM am 4. Juli 2023 von Martin Blaschka.

Der Klimawandel verändert nahezu alle Bereiche unseres Lebens und konfrontiert uns mit einer Jahrhundertherausforderung, die es in nur noch wenigen Jahrzehnten zu lösen gilt. Auch unser Gesundheitssystem ist betroffen – und zwar in zwei Richtungen, denn soziale und ökologische Faktoren beeinflussen unsere Gesundheit und umgekehrt. 

So müssen wir zum einen in Medizin und Versorgung auf veränderte Umweltbedingungen reagieren. Zum anderen trägt das Gesundheitswesen selbst einen deutlichen Teil zu den CO2-Emissionen bei. Je nach Quelle sogar mehr als der gesamte innerdeutsche Flugverkehr. Die Akteure sind also nicht nur gefragt, auf veränderte Bedingungen zu reagieren, sondern auch selbst nachhaltiger zu handeln. Es bedarf aber nicht nur eines branchenweiten Transformationsprozesses: Nur industrie- und nationenübergreifend können wir das gemeinsame Ziel eines gesunden Lebens auf einer gesunden Erde erreichen.

Diese und viele weitere Themen standen im Fokus des ersten GREEN HEALTH FORUMs. Rund 150 Personen versammelten sich dazu in der Green Event Location Gläsernen Manufaktur Dresden, um sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und sich vereint dem größten Treiber des Klimawandels entgegenzustellen: dem „Weiter-so-wie-bisher“. 

Unter diesen Vorzeichen kamen Expert:innen und Fachkräfte aus nahezu allen Bereichen und Ebenen des Gesundheitswesens zusammen. Unter den offiziellen Veranstaltungspartnern waren mit CHIESI Deutschland und GSK auch zwei pharmazeutische Unternehmen aktiv beteiligt.

Eindringliche Begrüßungsworte

Bereits in seiner Begrüßung mahnte Dr. med. Eckart von Hirschhausen (Arzt, Wissenschaftsjournalist und Gründer der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen), dass der Klimawandel die größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit ist. Mit den Worten „Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planeten“ ebnete er den Weg für Diskussionsfragen, die den gesamten Konferenztag begleiteten: Wie müssen Medizin und Versorgung auf die sich verändernden Umweltbedingungen reagieren? Und welche Handlungsfelder ergeben sich für die Akteure des Gesundheitswesens? 

Kai Swoboda, Stv. Vorstandsvorsitzender der IKK classic, forderte in seinem Grußwort dazu auf, die großen Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam anzugehen. In ihrer fachlich einführenden Keynote zeigte Claudia Kleinert (Fernsehjournalistin, Wetter- und Klimaexpertin) dann die konkreten meteorologischen Veränderungen der Vergangenheit sowie Zukunft auf und warnte eindringlich vor den Folgen des Klimawandels – nicht nur in Bezug auf unsere Gesundheit, sondern auf dramatische gesamtgesellschaftliche Veränderungen.  

Herausforderungen des Klimawandels für unser Gesundheitswesen

Mit dem Klimawandel erwarten uns neue Herausforderungen, die eine Veränderung verlangen. Kerstin Blum (Geschäftsführerin, Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen) und Dr. Wolfgang Straff (Leiter Fachgebiet Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung, Umweltbundesamt) zeigten anhand konkreter Beispiele auf, dass durch die Veränderung und die Verschlechterung von Naturräumen eine Belastung der psychischen Gesundheit resultiere, sowie die Ausbreitung von Krankheiten und Allergenen befördert werde. 

Dorothee Christiani (CSR-Managerin, BKK VBU) wies als Mitarbeiterin einer gesetzlichen Krankenversicherung darauf hin, dass auch Krankenkassen unter dem Klimawandel drastisch beeinflusst seien: Durch Katastrophen, Allergien, Klimaänderungen und damit einhergehende psychische Belastungen entstehen aktuell noch unabsehbare Kosten für die Krankenkassen – und damit das gesamte Sozialversicherungssystem.

Ebenso wurde deutlich, dass längst noch nicht alle Akteure des Gesundheitswesens schon heute nachhaltig handeln. Beispielsweise im Bereich der Pflege, so Janine Peine (Leiterin ETL ADVISION), seien Gebäude, Einrichtungen und Logistik kaum nachhaltig. 

Im Wirkungsraum der pharmazeutischen Industrie stellen sich laut Dr. Christoph Maas (Medical Director, CHIESI Deutschland) noch zusätzliche Herausforderungen: 

So ist beispielsweise der Ersatz von umweltschädigenden Treibgasen für Inhalatoren durch nachhaltige Alternativen mit langwierigen regulatorischen Prozessen verbunden. Zugleich ergeben sich durch die nachhaltige Optimierung von Arzneimitteln von der Produktion über die Logistik bis zur Entsorgung große Hebel für die nachhaltige Transformation der Branche.

Lösungsansätze für ein nachhaltiges Gesundheitswesen

Weitere Ansätze, die im Kongress vorgestellt worden, kamen unter anderem von Frank Roth (Principal, Practice Lead Life Sciences & MedTech, CBR Consult & Invest GmbH), der bereits vorhandene Erkenntnisse aus bereits stärker regulierten Branchen, u.a. der Luftfahrt, vorstellte. Es bedarf eines stärkeren, branchenübergreifenden Fachwissens, klarer und praktikabler Rahmenbedingungen für sowie Innovationen und alternativen Finanzierungsmodellen, um aktuell vorherrschende Hindernisse zu überwinden. Diskutiert wurde ebenfalls die Einführung von strengeren Gesetzen, die auch die Organisationen im Gesundheitswesen stärker zu einem nachhaltigen Handeln verpflichten.

Weitere Ansätze kamen von Franziska Bauerfeind (Nachhaltigkeitsbeauftragte, AOK PLUS) und Dr. Christian Elsner (Kaufm. Vorstand der Universitätsmedizin Mainz). Bauerfeind wies als vielversprechenden Kommunikations- und Handlungsansatz auf die Ernährung hin und sprach der Krankenkassen die Rolle zu, Gesundheits- und Klimakompetenz aufzubauen – im Sinne einer „Planetary Health Diet“. Christian Elsner präsentierte den unter Nachhaltigkeitsaspekten mitkonzipierten Baumasterplan der Mainzer Universitätsmedizin und sprach sich in diesem Kontext auch für die verstärkte Implementierung von Nachhaltigkeitsmanager:innen in Organisationen aus.

Einen spannenden Exkurs über die deutsche Bundesgrenze hinaus lieferte Judith Mohren, MPH (Arbeitsmedizinerin in Weiterbildung, ehrenamtlich tätig beim Long Yang e.V.), die die Arbeit der Akasha Academy in Nepal und damit kreative und kollaborative Ansätze für den Einklang von Gesundheit und einem gesunden Planten vorstellte. Die Academy ermöglicht eine umfassende Ausbildung für junge nepalesische Frauen in den Themen Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft und führt Beratungen zum Thema Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Umwelt durch.


In keiner Dimension nachhaltig: Es gibt noch viel zu tun! 

Zum Abschluss des Forums verdeutlichte Jürgen Graalmann (Geschäftsführender Gesellschafter, Die Brückenköpfe) in seiner Closing Keynote, dass Nachhaltigkeit in drei Dimensionen gedacht werden müsse: sozial, ökonomisch und ökologisch. Das deutsche Gesundheitssystem ist aktuell ist in keiner Dimension nachhaltig. Somit plädierte Graalmann für eine integrierte Betrachtung und eine systematische Verankerung der drei Dimensionen bei der nachhaltigen Weiterentwicklung des Gesundheitssystems. 


Ausblick

Ziel des Green Health Forum war es, die bereits bestehenden und noch bevorstehenden Herausforderungen, die durch den Klimawandel für die Gesundheitsversorgung und das Gesundheitswesen entstehen, zu adressieren. Es wurde deutlich, dass ausnahmslos alle Branchen von diesem Transformationsprozess betroffen sind und dementsprechend handeln müssen. Nicht irgendwann. Sondern jetzt. Was wir dafür brauchen, ist der Mut zur Veränderung und – trotz der Bedrohlichkeit des Klimawandels – die Zuversicht, gemeinsam etwas bewegen zu können. 

 

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Martin Blaschka, M.A.

Mitglied der Geschäftsleitung der Inno3 GmbH

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