Zi-Versorgungsatlas: Erhöhter Versorgungsbedarf


Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried schätzt die Lage so ein: „Innerhalb Deutschlands werden sehr unterschiedliche demografische Entwicklungen prognostiziert. Während die Bevölkerung in Ballungsräumen wächst und in den westlichen Flächenländern nahezu konstant bleibt, wird in den östlichen Flächenländern ein sukzessiver Rückgang erwartet.“ 

Bis 2035 wird sich die ärztliche Versorgung ziemlich verschieben und je nach Gebiet verändern. (Foto von Hush Naidoo Jade Photography für Unsplash) 

 

Und Stillfried erklärt weiter: „In den Regionen mit rückläufiger Bevölkerungsentwicklung erwachsen besondere Herausforderungen für die Organisation der Versorgung. Dies betrifft die Nachbesetzung notwendiger Praxissitze und die Organisation der Versorgung in größer werdenden Einzugsbereichen der Praxen. Dies erfordert neue Organisationsformen für die Praxen und geeignete finanzielle Förderungen.“

Weitere Ergebnisse des sogenannten relativen Beanspruchungsindex (rBIX):

  • Nach aktuellen Prognosen nimmt die Bevölkerungszahl in Deutschland auch aufgrund der zunehmenden Migration insgesamt nicht mehr weiter ab. Einem Bevölkerungsrückgang in ländlichen Regionen steht eine zunehmende Verdichtung urbaner Räume gegenüber. Somit wird die Beanspruchung der haus- und fachärztlichen Versorgung in städtischen Agglomerationen noch stärker zunehmen als in dünner besiedelten Räumen.
  • Die weiter zunehmende Alterung der Bevölkerung in Deutschland trägt dazu bei, dass spezifische Fachgruppen wie Innere Medizin, Urologie und Augenheilkunde in den kommenden Jahren immer stärker nachgefragt werden.
  • So könnte die Nachfrage bei Fachinternist:innen und Urolog:innen bis 2035 bundesweit um bis zu zehn Prozent ansteigen.
  • In der Augenheilkunde und bei Hals-Nasen-Ohren-Ärzt:innen könnte sich dieser Beanspruchungsindex um bis zu acht Prozent erhöhen.
  • Auch für jüngere Versicherte bis 14 Jahren wird eine leichte Bevölkerungszunahme projiziert, so dass mit einer steigenden Beanspruchung bei Kinder- und Jugendärzt:innen gerechnet werden kann (+ 3 Prozent).
Noch deutlicher fällt die Projektion des Versorgungsbedarfs für den Bereich der Psychotherapie aus: Hier ergibt sich auf Basis der Bevölkerungsprognose und unter Berücksichtigung der Inanspruchnahmeentwicklung der letzten Jahre bis 2035 ein projizierter Nachfrageanstieg von 21 Prozent für Psychotherapeut:innen und von 27 Prozent für Kinder- und Jugendpsychiater:innen.
  • Die Beanspruchung von Frauenärzt:innen wird den Schätzungen zufolge im Durchschnitt im Jahr 2035 etwa fünf Prozent geringer ausfallen als im Basisjahr.
  • Für die zukünftige Beanspruchung der Hausärzt:innen wird ein leichter Zuwachs um zwei Prozent erwartet.
  • Die räumliche Betrachtung zeigt über die Mehrzahl der Fachgruppen eine besonders hohe Steigerung der Beanspruchung in den südlichen und einigen westlichen Regionen Deutschlands und zum Teil im Großraum Berlin-Brandenburg.
  • Eine abnehmende Inanspruchnahme vieler Fachgruppen wird insbesondere für ländliche Gebiete im Osten Deutschlands projiziert.

Zur Methodik des vorgestellten relativen Beanspruchungsindex (rBIX):


Auf Basis von vertragsärztlichen Abrechnungsdaten des letzten präpandemischen Jahres 2019 und einer Bevölkerungsprognose wird die Inanspruchnahme zum Jahr 2035 fortgeschrieben. Als neues Element wird außerdem die Entwicklung der Inanspruchnahme der Jahre 2011 bis 2019 ermittelt, die ebenfalls in die Projektion einfließt. Das Ergebnis ist der relative Beanspruchungsindex (rBIX), der für unterschiedliche Fachgruppen und regional differenziert berechnet wird. Er gibt an, um wie viel Prozent die Beanspruchung vertragsärztlicher Leistungen im Jahr 2035 voraussichtlich von der im Basisjahr 2019 abweicht.

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