
Amazon setzt auf Omnichannel-Strategien mit digitaler Hautanalyse, personalisierten Produktempfehlungen und RFID-gestütztem In-Store-Marketing. (Foto: Screenshot Website / PM—Report)
Ganz unten heißt es dazu in der offiziellen Pressemitteilung:
„Das Geschäft verfügt außerdem über einen Theken- und rezeptfreien Bereich mit Apothekern vor Ort. Hier können Kunden rezeptfreie und nicht verschreibungspflichtige Medikamente kaufen und erhalten von den Apothekern fachkundige Informationen und Beratung zu den verfügbaren Produkten.“
Amazons neue Strategie: Ein Fuß in den Gesundheitsmarkt
Amazon hat mit der Eröffnung des Geschäftsbereichs „Amazon Parafarmacia & Beauty“ in Mailand einen strategischen Schritt unternommen, um seinen Einfluss im Gesundheits- und Schönheitssegment zu erweitern. Neben Beauty- und Pflegeprodukten bietet das Unternehmen dort eben auch OTC-Medikamente an – ein Marktsegment, das bisher von Apotheken dominiert wurde.
Obwohl Amazon in der Vergangenheit reale Einzelhandelsgeschäfte reduziert hat, sieht das Unternehmen diesen Store als Experiment, um seine Online-Dienstleistungen in Europa weiterzuentwickeln. Während Amazon betont, dass es sich nicht um eine Apotheke handelt, sondern um eine Parapharmazie mit starkem Fokus auf Kosmetik, könnte der Schritt langfristig auch den Apothekenmarkt beeinflussen.
Amazon betont, dass durch die Eröffnung „unser Online-Angebot an Schönheits- und Körperpflegeprodukten in ganz Europa expandiert werden soll. Die erweiterte Auswahl, die im Laufe des Jahres schrittweise in Online-Shops in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien verfügbar sein wird, bietet Kunden Zugang zu einer noch größeren Auswahl an Schönheitsprodukten, die den unterschiedlichen Vorlieben und Bedürfnissen der Kunden gerecht werden.
Der Amazon Parafarmacia & Beauty Store … bietet Kunden die Möglichkeit, eine kuratierte Auswahl an Schönheits- und Körperpflegeprodukten von vertrauenswürdigen Marken wie Eucerin, La Roche-Posay, Vichy, Avène, Bionike, Rilastil, CeraVe und anderen zu erkunden, von Empfehlungen durch fortschrittliche technologische Tools und Beratung im Geschäft zu profitieren und rezeptfreie Medikamente und parapharmazeutische Produkte zu kaufen.“
Amazons Wettbewerbsvorteile: Warum Apotheken sich Sorgen machen
Amazon bringt mehrere Stärken mit, die es für traditionelle Apotheken zur ernsthaften Konkurrenz machen könnten:
- Preisgestaltung & Reichweite: Amazon ist bekannt für aggressive Preismodelle und kann durch Skaleneffekte günstiger anbieten als viele Apotheken.
- Logistik-Expertise: Das Unternehmen hat ein perfektioniertes Liefernetzwerk, das schnelle und kostengünstige Lieferungen ermöglicht.
- Omnichannel-Strategie: Durch den Flagship-Store testet Amazon interaktive Einkaufserlebnisse, wie digitale Hautanalysen, personalisierte Empfehlungen und RFID-gestützte Produktinformationen.
- Kundenbindung durch Technologie: LCD-Displays mit Produktinformationen, Videoinhalte in Zusammenarbeit mit Herstellern und smarte Beratungsmodelle könnten die Kundenerwartungen an den Einkauf von Gesundheitsprodukten verändern.
Welche Auswirkungen hat das auf Apotheken?
Während der Amazon-Store in Mailand zunächst als Test betrachtet wird, könnte das Konzept in Zukunft ausgeweitet werden. Sollte Amazon seine OTC-Produktlinie breiter bewerben und mit Preisstrategien in den Online-Handel für Gesundheitsprodukte expandieren, könnte dies Folgen haben:
- Marktanteilsverluste für Apotheken: Besonders im Bereich der nicht verschreibungspflichtigen Medikamente könnten Apotheken Kunden an Amazon verlieren.
- Steigender Druck auf Preise: Apotheken müssten wettbewerbsfähigere Preise anbieten, was zu Margeneinbußen führen könnte.
- Notwendigkeit zur Digitalisierung: Apotheken müssen verstärkt auf digitale Angebote setzen, um mit Amazons Omnichannel-Strategie mithalten zu können.
Wie können Apotheken reagieren?
Um sich gegen Amazons Expansion zu behaupten, müssen Apotheken ihr Geschäftsmodell überdenken. Das wird seit Jahren diskutiert und dürfte auch nichts Neues für Apotheken sein, sind sie doch schon seit DocMorris & Co. mit Wettbewerbern konfrontiert.
Von daher sind die Vorschläge wie der stärkeren Digitalisierung, Click & Collect, Same-Day-Delivery-Angebote oder die persönliche Betreuung als Differenzierungsmerkmal nicht wirklich bahnbrechend. Vor allem haben sich hier auch viele Apotheken bereits einiges für ihre Kund:innen einfallen lassen. Vielleicht gibt es aber bei Kooperationen & Allianzen noch mehr auszubauen, wie mit Herstellern oder anderen Gesundheitsanbietern zusammenzuarbeiten, um innovative Lösungen anzubieten.
Amazon als potenzieller Gamechanger im Apothekenmarkt?
Während Amazon aktuell nur in den OTC-Bereich und Kosmetik investiert, könnte dies langfristig erst der Anfang sein. Die Kombination aus technologischer Innovation, Preisführerschaft und Logistik ist eine weitere Herausforderung für Apotheken. Auch wenn das Unternehmen nicht direkt Apotheken ersetzt, könnte es Marktanteile im OTC- und Kosmetikbereich gewinnen und damit traditionelle Anbieter unter Druck setzen.
Giorgio Busnelli, Vice President von Amazon Consumer Goods in Europa, zumindest gibt die Richtung vor: „... Wir haben dieses Geschäft so konzipiert, dass wir unseren Kunden einen Schritt näher sind und ein innovatives Erlebnis bieten, das Spitzentechnologie mit fachkundiger Beratung verbindet ... Diese erweiterte Auswahl spiegelt unser Engagement wider, die vielfältigen Bedürfnisse unserer Kunden sowohl in unserem Ladengeschäft in Mailand als auch online in Europa zu erfüllen.“
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