Veränderungen im Gesundheitssystem: Und täglich grüßt das Murmeltier


Im Gesundheitssystem geht es immer wieder um dieselben Fragen und immer wieder werden diese neu diskutiert. Man könnte meinen, wie im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier”.   

Torsten Christann gibt Ihnen was zum Lesen zum Thema Digital Health. (Foto von Marissa Daeger auf Unsplash)

In Neun Monaten ist Murmeltiertag.

Liebe Leser:innen des PM—Report,

schön, dass wir auch heute wieder – wenn auch nur virtuell –zusammenfinden, um einen Blick auf die Entwicklungen im breiten Feld der Digital Health zu werfen. Und schön, dass wir auch heute wieder – wenn auch nur virtuell – zusammenfinden, um einen Blick auf die Entwicklungen im breiten Feld der Digital Health zu werfen.

Ich denke, Sie werden mir zustimmen: Wiederholungen ohne einen inhaltlichen Mehrwert sind im besten Fall verwirrend – unweigerlich hat man das Gefühl: Da passt was nicht.

Aber lassen Sie mich etwas ausholen: Sie müssen wissen, ich bin leidenschaftlicher Kongressbesucher: Der direkte, persönliche Austausch mit alten Bekannten, das Knüpfen neuer Kontakte, über Neues auf dem Laufendem bleiben und sehen, was sich beim Alten so getan hat. Erst neulich z. B. durfte ich auf dem Jahreskongress des Bundesverbandes Managed Care dem inspirierenden Vortrag von PD Dr. Tanja Krones vom Universitätsspital Zürich beiwohnen. Fundiert, konkret, unterhaltsam und – für mich vor allem – bewegend und nachdrücklich zu den „ethischen Aspekten der Chancengleichheit im Gesundheitswesen“. Also über den Spagat zwischen Ökonomie und Versorgungsanforderungen, den verschiedenen Perspektiven ganz abhängig davon, wen man fragt, über die Rolle und Bedeutung von „Klimagerechtigkeit“ und insbesondere: Wie all das zusammenhängt, was in all dem Grundrauschen solcher „Hot Topics“ die wirklich wichtigen Fragen sind, und welche Möglichkeiten wir nun haben. Auch wenn mich insbesondere dieser Vortrag sehr beschäftigt, geht es mir heute eher um die Beiträge, die gerade nicht diesem Bild entsprechen.

War Ihnen bewusst, dass wir in der Versorgung dringend die Sektor-Silos überwinden müssen, also den Austausch, die gemeinsame Planung und Weiterentwicklung des Gesundheitssystem über die Sektorengrenzen hinweg stärker vorantreiben müssen? Dass letztlich also eine koordinierte und integrierte Versorgung besser ist als eine fragmentierte Versorgung? Hatten Sie auch schon einmal den Eindruck, in Deutschland gehe die Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht so schnell voran, wie es idealerweise der Fall wäre – vielleicht sogar, dass wir uns mit Bürokratie, unklaren Verantwortlichkeiten oder dem eingebrannten Denken in Legislaturperioden selbst im Weg stehen? Oder aber, dass wir dringend einen pragmatischeren Umgang mit dem Thema Datenschutz brauchen, um bei eben dieser Digitalisierung voranzukommen? Selbstverständlich war Ihnen das bewusst – denn dies und ähnliche Klagen hören und lesen wir seit bald 20 Jahren.

Aber ist das denn ein Problem? Hat es keinen Wert, die Schwachpunkte unseres Gesundheitssystems – wenn auch wiederholt – aufzuzeigen? Doch, hat es. Ist es dann vertane Mühe, immer wieder herauszustellen, wo die größten Hürden auf dem Weg in die Digitalisierung liegen? Absolut nicht – steter Tropfen höhlt den Stein, ich möchte diese unermüdlichen Stimmen auf keinen Fall missen.

Woran stoße ich mich hier also? Naja: Es reicht einfach nicht, jeden Morgen wie Schauspieler Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ dasselbe Lied im Radio zu hören und daraufhin durch den immergleichen Tag zu gehen – wohlwissend, dass wir auch den nächsten und übernächsten Tag wieder genau gleich beginnen und durchleben werden. So banal das Bild scheinen mag: Für seinen Charakter begannen sich die Probleme zu lösen, als er erkannte, dass das stets selbe Lied am Morgen nicht das Thema seines gesamten Tages sein musste, dass er seine Tage nicht durchleben musste, sondern gestalten konnte – sprich: Selbst wenn wir auf absehbare Zeit Tag um Tag aufs Neue mit denselben (großen!) Herausforderungen im Gesundheitssystem konfrontiert sind, haben wir – ganz gleich ob in Industrie oder Politik – auch jeden Tag die Möglichkeit, etwas zu ihrer Lösung beizutragen: Konstruktiven Pragmatismus zu zeigen, Neues auszuprobieren, von den unzähligen positiven Beispielen und Initiativen zu lernen – auch wenn nicht alles sofort und unmittelbar funktionieren mag.

Am Tag vor dem Redaktionsschluss für diese Kolumne hat mich ein Gerücht – weit verbreitet, in der Zwischenzeit von vielen Seiten wieder dementiert – kalt erwischt: Muss Leyck Dieken die gematik verlassen? Ich persönlich fände einen Mentalitätswechsel in einer der wichtigsten Positionen für die (digitale) Zukunft des deutschen Gesundheitssystems schade. Denn seit Langem habe ich Dr. Dieken‘s Ansatz eines dringend notwendigen, konstruktiven Pragmatismus sehr geschätzt: Schritt für Schritt, Tag um Tag hin zu Lösungen für die grundlegenden Probleme und vor allem ohne die oft lähmende Angst vor Fehlern, die absolut selbstverständlich Teil jeder noch so kleinen Veränderung sein werden. Oder, um ein Zitat unseres Kanzlers zweckzuentfremden: Es ist von zentraler Bedeutung, einfach mal „vom Reden ins Doing“ zu kommen – vielleicht ja sogar (wie bei LNG-Terminals) „in Deutschland-Geschwindigkeit“ und (wie bei den Energie- und Inflationshilfen) mit einem „Doppel-Wumms“. Wenn wir wollen, können wir es auch!

Ich mache mir jetzt mit Bill Murray eine Flasche Wein auf und wir lesen uns an dieser Stelle in zwei Wochen wieder – wenn Sie mögen. Und wenn Sie mögen, lesen wir uns an dieser Stelle in zwei Wochen wieder. Denn täglich grüßt das Murmeltier…

Die weiteren Digital Health Notizen

 

Torsten Christann (Hexa).png

Torsten Christann

Managing Partner bei Digital Oxygen GmbH

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